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13.04.2010

Logistik: grün und flexibel

Studie von EHI und Fraunhofer IML zeigt Trends der Handelslogistik

In der Logistik spielen nachhaltige Konzepte und eine hohe Flexibilität eine entscheidende Rolle. Der Handel will seine Transporteffizienz erhöhen. Ebenso investiert er in Forecasting-Systeme, um zielgenau auf Nachfrage und Konjunktur reagieren zu können. Diese und weitere Ergebnisse der Studie werden erstmals auf der Log 2010, des gemeinsam von EHI und GS1 Germany veranstalteten Logistikkongresses, vor 220 Experten in Köln präsentiert.

Hohe Flexibilität

80 Prozent der Studienteilnehmer messen dem kurzfristigen Nachfrageverhalten des Konsumenten sowie der Konjunkturentwicklung eine hohe Bedeutung für die eigene Strategieplanung zu. Warenbestände werden kurzfristiger adaptierbar sein müssen, um Bestandskosten zu minimieren. Die Logistikstrukturen müssen flexibler werden, um für die zunehmende Dynamisierung der Märkte gewappnet zu sein. Kurzfristigere Reaktionen erfordern jedoch eine höhere Qualität und Menge an Informationen, folglich setzt der Handel hier den Hebel an. Bei fast 80 Prozent aller befragten Händler steht der Einsatz, zumindest aber die Erprobung von neuen Forecasting-Systemen im Lager auf der To-do-Liste. Die an ihren Einsatz geknüpften Erwartungen sind hoch. Innerhalb von drei Jahren rechnet der Handel mit einer Erhöhung der Prognosegenauigkeit auf 84 Prozent, was einer Steigerung von immerhin zehn Prozent entspricht. Auch zu den Lieferanten wird eine intensivere Vernetzung angestrebt. 34 Prozent der teilnehmenden Händler arbeiten bereits mit Lieferantenportalen, weitere 43 Prozent planen ihren Einsatz zumindest oder testen sie aus.

Grüne Logistik: mehr als ein Hype

Unabhängig von Konjunktur- und Nachfrageentwicklungen wird das Thema Nachhaltigkeit in der Handelslogistik von 89 Prozent der Befragten als „sehr wichtig" oder zumindest als „wichtig" eingeschätzt. Nachhaltige Logistik heißt für den Handel zunächst Erhöhung der Transporteffizienz. Hier wurde schon Einiges in die Wege geleitet, aber noch längst nicht alles erreicht. Fast 85 Prozent der Handelsunternehmen haben ihre Transportorganisation zentralisiert bzw. dieses Vorhaben zumindest im Pilotstadium. Ein ähnlich hoher Anteil setzt darüber hinaus Tourenoptimierungsprogramme ein. Dennoch erwartet man für die nächsten drei Jahre eine Erhöhung des Volumennutzungsgrades beim Transport auf durchschnittlich 81 Prozent – weiterhin mit Optimierungspotential, wie es scheint. Allerdings haben 64 Prozent der Händler bisher keine alternativen Antriebstechnologien für ihre Transportfahrzeuge vorgesehen. Vor dem Hintergrund steigender Transport- und Energiekosten in den kommenden Jahren wird man abwarten müssen, wie lange diese reservierte Haltung bestehen bleiben wird. Vorerst geht der Handel nur von einem geringfügig steigenden Anteil an Fahrzeugen mit „neuen" Technologien auf etwa acht Prozent in den nächsten drei Jahren aus. Ähnlich zurückhaltend geht man mit dem Einsatz regenerativer Energiequellen im Lager um. Möglichweise stehen für die 51 Prozent der Händler, die diesen Schritt noch nicht gehen, hier Investitions- und Rentabilitätsfragen im Vordergrund.

An der Studie haben sich knapp 40 Logistikspezialisten aus führenden Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt, darunter 22 Prozent aus dem Lebensmittelhandel, 17 Prozent aus dem Textilsektor und nennenswerte Anteile aus dem Drogerie- dem Warenhaus- sowie dem Baumarktbereich. Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse wird im Sommer erscheinen. Um die Entwicklungen in der Handelslogistik langfristig zu dokumentieren und der Branche zugänglich zu machen, soll die Erhebung in Zukunft jährlich aktualisiert werden.