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15.06.2005

4,1 Mrd. Euro Inventurdifferenzen im Handel 2004: Spürbarer Rückgang

Im Einzelhandel summieren sich die Inventurdifferenzen auf jährlich knapp 4,1 Milliarden Euro, so lautet ein Ergebnis der aktuell gemeinsam vom EHI und HDE durchgeführten Erhebung. Unehrliche Kunden verursachen hiervon 2,2 Milliarden Euro. Damit wird jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt an der Kasse vorbeigeschoben.

Allein durch den Ladendiebstahl entgehen dem Staat jedes Jahr rund 230 Millionen Euro Mehrwertsteuer.

Über vierzig Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sich ihre Inventurdifferenzen in den letzten drei Jahren verbessert haben, während nur jedes siebte Unternehmen eine Verschlechterung feststellen musste. An der Erhebung beteiligten sich 108 Unternehmen mit fast 10.000 Verkaufsstellen, die 2004 einen Gesamtumsatz von rund 38 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

Durchschnittlich 1,10 Prozent Inventurdifferenz vom Bruttoumsatz

Die durchschnittlichen Inventurdifferenzen im Handel 2004 haben sich – bewertet zu Verkaufspreisen – um fast 7 Prozent auf 1,10 Prozent vom Bruttoumsatz verbessert (Vorjahr 1,18 Prozent). Alle untersuchten Betriebsformen folgen diesem Trend:

Im Lebensmittelhandel liegen die durchschnittlichen Inventurdifferenzen knapp unter 0,8 Prozent, bei C&C-Märkten knapp unter 0,5 Prozent vom Umsatz. Auch Warenhausunternehmen haben per Saldo Verbesserungen erzielen können: 1,39 Prozent 2004. Im Textilhandel sind die Inventurdifferenzen von 1,6 auf 1,45 Prozent gesunken. Bau- und Gartenmärkte konnten ihre Bestandsdifferenzen im Branchenvergleich am stärksten auf 1,44 Prozent reduzieren.

Dennoch schmälert eine durchschnittliche Inventurdifferenz in Höhe von 1,1 Prozent vom Bruttoumsatz nach wie vor die Renditen im Einzelhandel erheblich und übersteigt in einigen Branchen den Unternehmensgewinn. Mit jährlichen Investitionen von mehr als 900 Millionen Euro in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen, muss der Handel den Schutz seiner Waren nach wie vor teuer erkaufen.

Verursacher von Inventurdifferenzen

Nach Einschätzung der beteiligten Unternehmen entfallen auf die vier Verursachergruppen durchschnittlich folgende Anteile – allerdings mit gravierenden Unterschieden je nach Branche: Kunden 53 Prozent, Mitarbeiter 22 Prozent, Lieferanten und Servicekräfte zusammen rund 8 Prozent und auf organisatorische Mängel rund 17 Prozent. Etwa 6 Prozent der ermittelten Inventurdifferenzen stellen keine Verluste dar, sondern sind im weitesten Sinne auf Unzulänglichkeiten in der Bestandsfortschreibung zurückzuführen.

Budget konstant

70 Prozent aller befragten Unternehmen gab an, dass ihr Budget zur Reduzierung von Inventurdifferenzen im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben ist, während nur 15 Prozent der Unternehmen ihr Budget im Jahr 2005 aufgestockt haben.

Insgesamt gibt der Einzelhandel rund 925 Millionen Euro zur Reduzierung von Inventurdifferenzen aus. Demnach betragen die Kosten für Inventurdifferenzen und deren Vermeidung jährlich rund 5,1 Milliarden Euro, also durchschnittlich fast 1,4 Prozent vom Bruttoumsatz.

Kriminalität im Handel steigend

Die Kriminalitätslage im Handel wird allgemein als mittel bis hoch eingeschätzt; mit deutlich zunehmender Tendenz. In den nächsten zwei Jahren erwarten die Händler in allen Bereichen eine Zunahme der Kriminalität, insbesondere beim organisierten Ladendiebstahl sowie beim gewöhnlichen Kundendiebstahl, bei gleichzeitiger Steigerung der Gewaltbereitschaft und der Drogenkriminalität. Vor diesem Hintergrund wird eine weitere Forcierung von Präventivmaßnahmen von der Mitarbeiterschulung bis hin zu technischen Systemen der Warensicherung oder Kameraüberwachung weiter zwingend erforderlich sein. Deutlich geringer werden die Gefahren durch Diebstahl und Betrug von eigenen Mitarbeitern eingeschätzt.

Weitere Daten, Hintergründe und detailliertere Auswertungen zur Entwicklung der Inventurdifferenzen sind als Studie des EHI zum Preis von 75,- Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer beim EHI-Verlag zu beziehen bei Claudia Husseck, mail: husseck@ehi.org, Tel: 0221-57993-64