11.06.2007
Der Handel macht es Dieben schwer
EHI-Studie belegt Wirksamkeit von Sicherheitsmaßnahmen und frühzeitiger Verlusterkennung
Köln, 12.06.2007 EHI - Die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel erreichen knapp 3,9 Milliarden Euro, so das Ergebnis der aktuellen EHI-Studie. Statistisch gesehen wird demnach jeder 200. Einkaufswagen nicht bezahlt bzw. stiehlt jeder Haushalt jährlich Waren für über 50 Euro in den Läden der Einzelhändler. Dadurch entgehen dem Staat jedes Jahr rund 400 Millionen Euro Mehrwertsteuer. Das EHI präsentiert die vollständigen Ergebnisse heute auf seinem Kongress „Sicherheitsmanagement im Handel“ in Köln vor mehr als 130 Handelsexperten.
Rückgang der Verluste teuer erkauft
Die Inventurdifferenzen sind erneut deutlich spürbar um durchschnittlich acht Prozent zurück gegangen. Gründe dafür sind verbesserte Warenwirtschaftssysteme, genauere Bestandskontrollen und gezieltere Auswertungen. Dadurch kann der Handel Verluste frühzeitig erkennen und reagieren. Des Weiteren zeigen verstärkte präventive technische Maßnahmen und Mitarbeiterschulungen Erfolge. Dennoch: Die Bedrohung durch Ladendiebstahl erfordert weiterhin höchste Aufmerksamkeit. Mit jährlichen Investitionen von rund einer Mrd. Euro in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen muss der Handel den Schutz seiner Waren nach wie vor teuer erkaufen.
„Gefühlte“ Kriminalität im Handel steigt
Trotz des Rückgangs der Verluste schätzt der Handel die Kriminalität allgemein weiter als mittel bis hoch ein – mit steigender Tendenz. Im nächsten Jahr erwarten die Unternehmen in fast allen Bereichen eine Zunahme der Kriminalität. Der „gewöhnliche“ Kundendiebstahl durch verstärkte Sicherheitstechnik und Personalschulung scheint einigermaßen unter Kontrolle – auch wenn er immer noch einen Hauptfaktor der Inventurdifferenzen darstellt. Aber insbesondere die organisierte Ladendiebstahlskriminalität bereitet dem Handel Sorgen. Eine weitere Forcierung von Präventivmaßnahmen wird zwingend erforderlich sein. Deutlich geringer dagegen werden die Gefahren durch Diebstahl und Betrug von eigenen Mitarbeitern eingeschätzt.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass über 20 Prozent der Unternehmen ihr Budget zur Reduzierung von Inventurdifferenzen im laufenden Jahr aufgestockt haben. Die „guten“ Inventurergebnisse des vergangenen Jahres wurden also nicht als Anlass betrachtet, die Budgets zu kürzen. Insgesamt gibt der Einzelhandel rund 1 Mrd. Euro zur Reduzierung von Inventurdifferenzen aus. Demnach betragen die Kosten für Inventurdifferenzen und deren Vermeidung zusammen jährlich fast 5 Mrd. Euro.
Polizeiliche Kriminalstatistik täuscht
Nach den offiziellen Zahlen der gerade veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind die angezeigten einfachen Ladendiebstähle 2006 nochmals um 5,4 Prozent gesunken von 452.897 auf nunmehr 428.553 Fälle. Die Einschätzungen des Handels zur aktuellen Kriminalitätslage stehen jedoch im Gegensatz zur amtlichen Statistik. Denn Ladendiebstahlsanzeigen erfolgen zu einem hohen Prozentsatz durch Kaufhausdetektive und Sicherheitskräfte. Weniger Anzeigen bedeuten aber lediglich, dass der Detektiveinsatz in den letzten Jahren reduziert wurde. Außerdem steht weniger Personal zur Flächenbeaufsichtigung zur Verfügung. Gleichzeitig ist eine gewisse „Anzeigemüdigkeit“ infolge geringer Bestrafungen eingetreten. Kosteneinsparungen und Budgetverschiebungen zu Gunsten präventiver Maßnahmen wie Kamera- und Videotechnik und Warensicherung führen zwangsläufig zu weniger Anzeigen. Die tatsächlichen Verluste durch Ladendiebstahl sind aber mit fast zwei Mrd. Euro unverändert hoch.
Bedeutung von Inventurverlusten wächst
Über 95 Prozent der vom EHI befragten Unternehmen messen Inventurdifferenzen im eigenen Unternehmen eine „mittlere“ bis „große“ Bedeutung zu. Im Vergleich 2006 zu 2005 konnte eine Verbesserung der durchschnittlichen Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel von mehr als acht Prozent erzielt werden. Diese Tendenz trifft auf fast alle untersuchten Betriebsformen zu. Dennoch schmälert eine durchschnittliche Inventurdifferenz von knapp ein Prozent vom Bruttoumsatz – bewertet zu Verkaufspreisen – die Renditen im Einzelhandel erheblich. Nach Einschätzung der Untersuchungsteilnehmer verursachen Kunden 44 Prozent, Mitarbeiter 26 Prozent, Lieferanten und Servicekräfte zusammen rund 10 Prozent und organisatorische Mängel rund 20 Prozent der Verluste.
An der aktuellen Untersuchung des EHI zum Thema Inventurdifferenzen beteiligten sich 73 Unternehmen mit insgesamt über 13.000 Verkaufsstellen, die einen geschätzten Gesamtumsatz von rund 46 Mrd. Euro repräsentieren. Die Untersuchung wurde unterstützt vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE).
Weitere Daten, Hintergründe und detailliertere Auswertungen zur Entwicklung der Inventurdifferenzen sind als Studie des EHI zum Preis von 86,– Euro inkl. Versand und Mehrwertsteuer beim EHI-Verlag zu beziehen bei Claudia Husseck, E-Mail: husseck@ehi.org, Tel.: 02 21/5 79 93-64







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