30.05.2006
EHI: Bestandsverluste im Handel 2005 rückläufig, dennoch 4,1 Mrd. Euro Schaden
Reduzierung durch Prozessoptimierung und Verbesserung interner Kontrollsysteme
Köln, 30.05.2006 EHI - Die Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel summieren sich auf jährlich knapp 4,1 Milliarden Euro, so das Ergebnis der aktuellen EHI-Studie. Allein der durch Kundendiebstähle verursachte Schaden beträgt über 2 Milliarden Euro. Nach wie vor wird jeder 200. Einkaufswagen nicht bezahlt, jeder Haushalt stiehlt demnach statistisch pro Jahr über 50 Euro in den Läden der Einzelhändler. Allein durch den Ladendiebstahl entgehen dem Staat jedes Jahr rund 230 Millionen Euro Mehrwertsteuer. Das EHI präsentiert die vollständigen Ergebnisse heute auf seinem Kongress "Sicherheitsmanagement im Handel" in Düsseldorf vor mehr als 120 Zuhörern.
Durchschnittlich 1,05 Prozent Inventurdifferenz vom Bruttoumsatz
Die durchschnittlichen Inventurdifferenzen im Handel 2005 haben sich - bewertet zu Verkaufspreisen - um fast 13 Prozent auf 1,05 Prozent vom Bruttoumsatz verbessert (Vorjahr 1,20 Prozent). Im Lebensmittelhandel betragen die durchschnittlichen Inventurdifferenzen rund 0,7 Prozent, bei C&C-Märkten sind es nur knapp unter 0,3 Prozent vom Umsatz. Drogeriemärkte haben leicht verbesserte Ergebnisse erzielen können, liegen aber mit durchschnittlich rund 1,6 Prozent nach wie vor auf relativ hohen Niveau. Baumärkte hingegen konnten durch eine genau im Trend liegende Reduzierung unterhalb von 1,5 Prozent rutschen.
Im Textilhandel sind die Inventurdifferenzen von 1,36 auf 1,26 Prozent gesunken. Dennoch schmälert eine durchschnittliche Inventurdifferenz von etwas über ein Prozent vom Bruttoumsatz nach wie vor die Renditen im Einzelhandel erheblich und übersteigt in einigen Branchen die Unternehmensgewinne. Mit jährlichen Investitionen von rund 950 Millionen Euro in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen, muss der Handel den Schutz seiner Waren teuer erkaufen.
Polizeiliche Kriminalstatistik setzt falsches Signal
Nach den offiziellen Zahlen der jüngst veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) sind die angezeigten Ladendiebstähle 2005 um fast 10 Prozent von 501.433 auf nunmehr 452.897 zurückgegangen. Die Einschätzungen des Handels zur aktuellen Kriminalitätslage stehen jedoch diametral im Widerspruch zur amtlichen Statistik. Der vom EHI festgestellte Rückgang der Inventurdifferenzen um fast 13 Prozent ist in erster Linie auf organisatorische Verbesserungen (Prozessoptimierung, Belegwesen, Abschriftenerfassung) sowie verbesserte Bestandskontrollen und verstärkte Personalschulungen zurückzuführen. Auch durch vermehrte interne Kontrollen im Handel (Warenwirtschaftsauswertungen, Bondatenanalysen, Testkäufe) sind viele Mitarbeiterdelikte aufgeklärt worden, so dass der Anteil der Verluste durch eigenes Personal auch rückläufig sein dürfte.
Ladendiebstahlsanzeigen erfolgen zudem zu einem hohen Prozentsatz durch Kaufhausdetektive und Sicherheitskräfte. Kosteneinsparungen und Budgetverschiebungen zu Gunsten präventiver Maßnahmen wie Kameratechnik, Warensicherung und verstärkte Mitarbeiterschulungen führen zwangsläufig zu weniger Anzeigen. Hinzu kommt, dass die PKS höchsten 2-4 Prozent aller tatsächlichen Delikte erfasst - die Dunkelziffer also weit über 95 Prozent beträgt.
Kriminalität im Handel steigend
Im Gegenteil, die Kriminalitätslage im Handel wird allgemein als mittel bis hoch eingeschätzt, mit deutlich zunehmender Tendenz. Im nächsten Jahr erwarten die Handelsunternehmen in fast allen Bereichen eine Zunahme der Kriminalität, insbesondere beim alltäglichen Kundendiebstahl und bei der organisierten Ladendiebstahlskriminalität, bei gleichzeitiger Steigerung der Gewaltbereitschaft und der Drogenkriminalität. Vor diesem Hintergrund wird eine weitere Forcierung von Präventivmaßnahmen weiter zwingend erforderlich sein. Deutlich geringer werden die Gefahren durch Diebstahl und Betrug von eigenen Mitarbeitern eingeschätzt.
An der Erhebung beteiligten sich 74 Unternehmen mit über 13.000 Verkaufsstellen, die 2005 einen Gesamtumsatz von rund 46 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Sechzig Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sich ihre Inventurdifferenzen in den letzten drei Jahren verbessert haben, während nur jedes zehnte Unternehmen eine Verschlechterung feststellen musste.
Die Untersuchung wurde unterstützt vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE).
Weitere Daten, Hintergründe und detailliertere Auswertungen zur Entwicklung der Inventurdifferenzen sind als Studie des EHI zum Preis von 75,- Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer beim EHI-Verlag zu beziehen bei Claudia Husseck, mail: husseck@ehi.org, Tel: 0221-57993-64







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