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16.11.2006

IT im Handel: Keine Zeit für Experimente

420 Experten diskutieren Trends auf EHI Technologie Tagen

Zu den diesjährigen Technologie Tagen begrüßte das EHI Retail Institute am 14. und 15. November rund 420 IT-Verantwortliche des Handels und deren Systempartner in Köln. Der neue Teilnahmerekord und die Anzahl der Firmen der begleitenden Ausstellung verdeutlichen den immer höheren Stellenwert der Informations- und Kommunikationstechnologie im Einzelhandel. Die Highlights der diesjährigen Traditionsveranstaltung der IT-Branche: Warenwirtschaftssysteme, Digitale Medien am POS, Voice over IP und Self Checkout Systeme. Dabei unterstrichen die Redner, dass die vorgestellten Technologien von RFID bis VOIP nicht aus Spieltrieb oder Experimentierfreude eingesetzt werden, sondern einen wirtschaftlichen Nutzen bringen müssen.

Dies unterstrich Jürg Bloch, Direktor Informatik bei der Manor AG, mit einer Wirtschaftlichkeitsrechnung und stellte den Teilnehmern der EHI Technologie Tage die Erfahrungen aus den ersten 12 Monaten Betrieb der neuen Voice over IP-Anlage vor. Am Hauptsitz und einer Verkaufsstelle in Basel wurden 1300 Anschlüsse auf die neue Technologie umgestellt. „Dabei stellt die Telefonie nur ein Drittel des Aufwandes dar," gab Herr Bloch zu bedenken. Die anderen zwei Drittel der Arbeit bestehen aus der Evaluation der Anbieter, dem Entscheidungsprozess und die Gegenüberstellung der Kosten.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde, in der die IT-Verantwortlichen der Unternehmen Baumax (A), Migros (CH), dm und Fressnapf unter der Moderation von Olaf Schrage, Geschäftsführer Douglas Informatik & Service die momentan wichtigsten IT-Themen in ihren Unternehmen erörterten. Für die Fressnapf-IT ist beispielsweise das explosionsartige Wachstum eine große Herausforderung. Denn das Tempo von durchschnittlich zwei neuen Geschäften pro Woche und der Erschließung zwei neuer Ländern pro Jahr kann nur mit einer schlanken Struktur und einfach zu multiplizierenden Systemen durchgehalten werden.

Jens Siebenhaar, IT-Verantwortlicher für OBI, berichtete aus dem Warenwirtschaftsprojekt. Da der Support der Altsysteme und die Beschaffung von Ersatzteilen immer schwieriger wurde, entschied man sich für eine Erneuerung der Systeme. Trotzt intensiver Suche konnte aus den ursprünglich 150 potenziellen Kandidaten kein Anbieter gefunden werden, der die Anforderungen von OBI abdecken konnte. Daher entschied sich OBI mit der Unterstützung eines Dienstleisters das System komplett neu zu entwickeln. Das Projekt wurde innerhalb von 18 Monaten in time und budget abgeschlossen. Großen Anteil an diesem Erfolg hatte laut Siebenhaar die Projektstruktur. Das Gesamtprojekt wurde in fünf Teilschritte zerlegt und die Teilprojekte wurden so behandelt „als ob wir nach jedem Teilprojekt live gehen würden." Zwar entstand dadurch fünfmal Projektabschluss-Stress, aber „dafür konnten wir auch fünfmal feiern", so Siebenhaar.

David Llamas, CIO bei Harrods, berichtete über die SOA-Vision des englischen Luxuskaufhauses. 250 verschiedene Abteilungen mit verschiedenen, zum Teil sogar papierbasierten, Abläufen stellten die IT vor große Herausforderungen. „Sie können bei uns einen Stift oder ein Flugzeug kaufen", sagte Llamas. „Und falls Sie es wünschen, packen wir es auch ein." Zusätzlich haben die Kunden auch die Möglichkeit im Webshop einzukaufen. Dies führte dazu, dass aus den unterschiedlichen Absatzkanälen und Abteilungen Daten angehäuft wurden. Heute kann die IT mit einem „Single Customer View" saubere Kundendaten als Grundlage für effektive Kampagnen oder Auswertungen liefern. „Kundendaten in einer Datenbank sind einfach nur Daten. Saubere und konsistente Kundendaten sind aber Information", so Llamas.

Die nächsten EHI Technologie Tage finden am 13./14. November 2007 in Köln statt.