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04.02.2021

Booster für den Onlinehandel

Alle Themen E-Commerce Logistik #Handelslogistik #Onlinehandel

Mit einem nahezu verdoppelten Marktwachstum gehört der Onlinehandel klar zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Durch das starke Wachstum war 2020 auch die Handelslogistik noch stärker gefordert. Unsere Experten für E-Commerce und Logistik lassen die wichtigsten Entwicklungen des vergangenen Jahres Revue passieren und blicken auf die Trends im Jahr 2021.

Wie hat sich der Onlinehandel im Corona-Jahr entwickelt? 

Bildnachweis: EHI

Lars Hofacker, Leiter Forschungsbereich E-Commerce

Hofacker: Es war ein Booster für den Onlinehandel! Das Marktwachstum in 2020 hat sich gemäß des HDE auf 20,7 Prozent fast verdoppelt und der Gesamtmarkt umfasst 71,5 Mrd. Euro (ohne Umsatzsteuer). Der bevh beziffert den Onlinehandel mit Waren inkl. Umsatzsteuer auf 83,3 Mrd. Euro (+14,6 Prozent). Nach Anlaufschwierigkeiten im ersten Quartal konnte sich der E-Commerce beweisen und hat gezeigt, wie wichtig dem Kunden diese Option ist. Insbesondere das vierte Quartal war besonders wachstumsstark.

Produkte des täglichen Bedarfs haben bisher noch einen geringen Marktanteil im E-Commerce, aber verzeichneten diesmal das stärkste Wachstum – obwohl die stationären Geschäfte nie geschlossen hatten. Beim Online-Lebensmittelhandel war die Nachfrage zeitweise deutlich größer als das Angebot. Sensible Kund:innen haben nach Alternativen gesucht oder andere hatten schlicht keine andere Wahl als online Ware zu ordern. Neue Zielgruppen wie die Silver-Surfer haben sich erstmals mit Onlineshopping beschäftigt und haben diese Option sicherlich zu schätzen gelernt.

Das Jahr 2020 wird vermutlich auch als Durchbruch des Omnichannel-Service Click & Collect in die Handelsgeschichte eingehen. Erstmals wurde der Service im großen Stil bekannt gemacht und auch mit der Politik wurde die Relevanz verschiedener Varianten heiß diskutiert. Innovative kleinere und inhabergeführte Einzelhändler haben rudimentäre Omnichannel-Lösungen entwickelt und sich an Online-Plattformen angebunden, um vom wachsenden Onlinehandel profitieren zu können. Unsere Studie Connected Retail 2020 beschreibt genau diese Trends im E-Commerce, Omnichannel und bei Plattformen.

Welche Themen werden im deutschen E-Commerce im Jahr 2021 besonders wichtig? 

Hofacker: Das Kundenverhalten wird sich nachhaltig verändern. Dazu ist das neue Jahr weiterhin mit vielen Unsicherheiten verbunden. Entscheider:innen aus Handelsunternehmen teilten uns in Expertengesprächen mit, wie wichtig Agilität, ein digitales Mindset und die Transformation zum Digitalen ist. Hier sehe ich immer noch die Top-Themen für Omnichannel-Player. Aus den vielen Learnings aus 2020 leiten sich neue Möglichkeiten zur Kundenzentrierung und Weiterentwicklung des Geschäftsmodells ab. Im E-Commerce spielen Plattformen, App- bzw. Mobile-Konzepte, Logistik und insbesondere die letzte Meile weiterhin eine zentrale Rolle, wie auch der aktuell diskutierte on-demand Lebensmittel-Lieferservice Gorillas aus Berlin zeigt.

Hat sich das Logistik-Aufkommen durch mehr Online-Bestellungen 2020 erhöht? Wie sind die Handelsunternehmen und deren Logistikabteilungen damit umgegangen?

Bildnachweis: EHI

Thomas Kempcke, Leiter Forschungsbereich Logistik

Kempcke: Die Frage ist, wie man Logistikaufkommen definiert. Ist damit der Transportaufwand gemeint, dürfte das der Fall sein. Zweifellos hat der Online-Versand, der ohnehin schon seit mehreren Jahren permanente Steigerungsraten aufweist, durch den Lockdown im Frühjahr einen kräftigen Schub erfahren. Im E-Commerce werden bekanntlich die Bestellungen endkundenspezifisch kommissioniert, unabhängig von der Frage, ob durch den Händler selbst oder einen kooperierenden Dienstleister, und ihm nach Hause oder in die nächstgelegene Filiale z. B. im Click & Collect-Verfahren, zugestellt. Viele kleine Sendungen lösen zunehmend große gebündelte Sendungen an die Verkaufsstellen-Ebene ab.

Sofern Handelsunternehmen die Distribution von Online-Bestellungen in Eigenverantwortung durchführen, haben sie versucht, kurzfristig durch intralogistische Maßnahmen wie Umschichtungen zwischen diversen Lagerbereichen und ggf. Akquise zusätzlicher Transportkapazitäten den Mehraufwand zu stemmen. Auch eine (vorübergehende) Anmietung zusätzlicher Lagerkapazitäten dürfte im einen oder anderen Fall erfolgt sein, wo sich die Gelegenheit bot.

Händler, die ihre E-Commerce-Distribution von vorneherein einem Logistik-Dienstleister überlassen hatten, haben mit den unerwarteten Folgen der Pandemie weniger zu kämpfen gehabt, der verantwortliche Dienstleister dafür umso mehr. Hier hat der Händler in erster Linie dafür zu sorgen, dass der rechtzeitige Warennachschub sichergestellt bleibt.

Welche Trends in der Logistik des Handels können wir im nächsten Jahr erwarten? 

Kempcke: Die wichtigsten Trends werden den Handel natürlich nicht nur im kommenden Jahr, sondern noch über eine längere Zeitperiode beschäftigen. Hierzu zählen vor allem Verbesserungen in Sachen Nachhaltigkeit. Z. B. durch das Austesten von umweltverträglicheren Antriebstechnologien bei Transportfahrzeugen, der Ausbau von Automatisierung und Robotik in den Lagerbetrieben, Erweiterung der Digitalisierung und Einführung der Künstlichen Intelligenz. Weitere Innovationen wird es auch im Bereich der Endkundenzustellung geben bzw. Erkenntnisse darüber, welche Verfahren bzw. Technologien eine Zukunft haben. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden E-Commerce wird die Zufriedenheit des Verbrauchers mit der Lieferzuverlässigkeit „seines“ Händlers ein entscheidender Wettbewerbsfaktor bleiben.

Mehr über die aktuellen Entwicklungen im vernetzten und digitalen Handel hören Sie auf unserer digitalen EHI-Session Connected Retail am 09. Juni 2021 und auf unserem hybriden Kongress EHI Connect 2021 am 09. und 10. November 2021 in Bonn.


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