Horst Rüter

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04.11.2021

Brexit verteuert Kartenzahlung

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Sprunghafter Gebührenanstieg bei Online-Transaktionen mit dem Vereinigten Königreich //

Bildquelle: marcin jucha/stock.adobe.com

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Seit Ende der 41 KW werden Händler bei kartengestützten Online-Verkäufen an Kunden aus UK deutlich stärker zur Kasse gebeten. So haben sich die sogenannten Interbanken-Entgelte (InterChange-Gebühren) für Online-Kreditkarten-Transaktionen mit britischen Kunden von 0,3 Prozent auf 1,5 Prozent verfünffacht. Hintergrund ist eine Neuklassifizierung der Kartentarife nach Austritt des Vereinigen Königreichs aus dem Europäischen Währungsraum (EWR) durch MasterCard und Visa.

Seit Ende 2015 hatte die EU-Kommission die intraregionalen Transaktionen deutlich gedeckelt. So zahlen Händler im EWR bei Kreditkarten-Verkäufen an Verbraucher (Consumer Cards) sowohl im Online- als auch im stationären Geschäft nur noch eine InterChange-Gebühr in Höhe 0,3 Prozent. Bei Debitkarten sind diese Gebühren sogar auf 0,2 Prozent gedeckelt worden (das ist in Deutschland auch der Höchstsatz für die Abwicklung der girocard). Ausgenommen von der Regelung sind sog. Corporate Cards.

Durch die InterChange-Gebühren, die nach Berechnungen des EHI im Jahr 2020 zwischen 56 und 66 Prozent des gesamten, vom Händler abzuführenden Kreditkartendisagios ausgemacht haben, wird im Kreditkartengeschäft durch die Schemes MasterCard und Visa ein Interessenausgleich zwischen dem Vertragspartner des Händlers (Acquirer) und dem jeweiligen Kartenausgeber (Issuer) festgelegt. Die beiden anderen Disagio-Bestandteile sind die in den letzten Jahren massiv angestiegen und immer wieder vom Handel kritisierten und (noch) unregulierten Card Scheme fees (22 bis 31 Prozent) und die vergleichsweise kleinste Position, die eigentlichen Acquirer-Gebühren (12 bis 13 Prozent).

Die Payment-Beratung CMSPI schätzt die Mehrbelastung im Online-Geschäft für Händler in Europa und im Vereinigten Königreich auf 169 Mio. Euro pro Jahr, für die deutschen Händler auf 19,24 Mio. Euro. Allein auf der Insel steigen die Mehrkosten um über 40 Mio. Euro.

Aktuell nicht betroffen ist das stationäre Geschäft, da eine Selbstverpflichtungserklärung von MasterCard und Visa hier interregionale und intraregionale Transaktionen zurzeit gleichstellt.

Die Regelungen im Einzelnen:

Visa – 16. Oktober 2021

Interbankenentgelte:

  • Die Interbankenentgelte für Online-Verbrauchertransaktionen steigen von 0,2 % auf 1,15 % des Transaktionswerts für Debitkarten und von 0,3 % auf 1,5 % für Kreditkarten (betrifft Händler in Vereinigten Königreich und im EWR)
  • Visa erstattet keine Interbankenentgelte mehr für rückerstattete Verbrauchertransaktionen zwischen dem Vereinigten Königreich und dem EWR (betrifft Händler im Vereinigten Königreich und im EWR), d. h. die Händler zahlen Interbankenentgelte unabhängig davon, ob ein Kauf zurückgegeben wird oder nicht
  • Visa führt Änderungen an kommerziellen Interbankentgelten ein (verschiedene Änderungen, die jedoch nach Analyse von CMSPI zu einer Nettoerhöhung führen)

Scheme Fees:

  • Visa führt eine internationale Acquirer-Gebühr von 0,1 % für In-Store- und 0,25 % für Online-Transaktionen ein (betrifft Händler im Vereinigten Königreich und im EWR)

Mastercard – 15. Oktober 2021

Interbankenentgelte:

  • Die Interbankenentgelte für Online-Transaktionen von Verbrauchern steigen von 0,2 % auf 1,15 % für Debitkarten und von 0,3 % auf 1,5 % für Kreditkarten (nur für EWR-Händler)

 

In der nachstehenden Grafik sind die Auswirkungen dieser Erhöhungen für das Vereinigte Königreich und Europa aufgeschlüsselt:

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