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12.03.2015

Cyberattacken – keine Gefahr für das tägliche Brot

Alle Themen Informationstechnologie #IT-Sicherheit

Grafik Lebensmittel

Quelle: fotolia/iStock/EHI

Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur IT-Sicherheit im Lebensmittelhandel – unnötig und belastend


Die Bundesregierung will die Sicherheit der IT-Systeme in Deutschland verbessern und hat dazu den Entwurf eines „IT-Sicherheitsgesetzes“ vorgelegt. Er enthält Anforderungen an die IT-Sicherheit sogenannter „kritischer Infrastrukturen“, also der Einrichtungen, die für das Funktionieren des Gemeinwesens von zentraler Bedeutung sind. Dazu zählt auch die Ernährungsbranche, also auch der Lebensmittelhandel.

Unnötiger Aufwand für Unternehmen

Das neue Gesetz könnte bereits in diesem Jahr in Kraft treten und für die Unternehmen der Ernährungsbranche erhebliche zusätzliche Aufgaben mit sich bringen. So ist geplant, dass die Unternehmen sicherheitsrelevante Vorfälle in ihren IT-Systemen – zum Beispiel Cyberangriffe – an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik melden. Ebenso könnte auf die Unternehmen eine Verpflichtung zu einer regelmäßigen Auditierung der IT-Sicherheit zukommen.

Keine realistische Gefahr

Bereits im Jahr 2013 hat das EHI in Zusammenarbeit mit den führenden Unternehmen des Lebensmittelhandels eine Studie durchgeführt, um das Gefährdungspotenzial des Lebensmittelhandels zu bewerten. Dabei wurde vor allem die Frage verfolgt, ob durch Cyberattacken auf den Lebensmittelhandel die Versorgung der Bevölkerung flächendeckend gestört werden könnte. Die Studie kam zu einem eindeutigen Urteil: Eine flächendeckende Beeinträchtigung der Versorgung mit Lebensmitteln durch direkte Angriffe auf den Handel ist aus heutiger Sicht nicht realistisch, zumindest solange die Energieversorgung und die Telekommunikation insgesamt funktionieren.

Vielzahl sichert flächendeckende Versorgung

Zu den 1.000 größten Handelsunternehmen in Deutschland gehören mehr als 300 Vertriebslinien des Lebensmittelhandels. Zwar bündeln die großen Unternehmen in der Regel ihren Wareneinkauf für bestimmte Produkte, der Betrieb der Geschäfte und auch die dazu erforderliche IT-Infrastruktur werden allerdings jeweils individuell, also je Vertriebslinie und Region gesteuert.

Vielfalt …

Auch im Hinblick auf die aktuell benutzten IT-Systeme im Lebensmittelhandel lässt sich eine große Heterogenität feststellen. Zwar werden von nahezu allen Unternehmen Windows und Linux (jeweils in verschiedenen Versionen) eingesetzt, ansonsten ist die Liste der IT-Hardware und Software aber sehr lang und sehr vielfältig.
Die Analyse der im Einsatz befindlichen IT-Automatisierungssysteme hat ebenfalls gezeigt, dass die Infrastruktur der untersuchten Unternehmen sehr differenziert ist. Fast alle Unternehmen setzen hier unterschiedliche Komponenten für ihre Lagersteuerung und ihren Filialbetrieb ein.

… und Prävention verhindern flächendeckende Attacken

Im Hinblick auf die erforderlichen Maßnahmen zur Herstellung einer größtmöglichen IT-Sicherheit haben zumindest die großen Unternehmen ihre Hausaufgaben gemacht. Die Verantwortlichkeit für IT-Sicherheit ist klar geregelt, und alle Unternehmen haben bereits ein Information-Security-Management-System oder bauen dies zumindest gerade auf. Ebenso haben die Unternehmen Risikobeurteilungen für ihre IT durchgeführt und entsprechende Sicherheitskonzepte entwickelt.

Zwar gibt es durchaus Möglichkeiten, den Betrieb einzelner Unternehmensteile oder Regionen zu stören, ein flächendeckender Ausfall über längere Zeit ist aber vor dem Hintergrund der geschilderten Anbieter- und Systemvielfalt nicht realistisch. Vor allem flächendeckende Funktionsstörungen der Energieversorgung und der Telekommunikation könnten aber dazu führen, dass der Lebensmittelhandel in seiner Versorgungsfunktion eingeschränkt ist. Diesen Wirtschaftsbereichen sollte daher besondere Aufmerksamkeit im Hinblick auf die Prävention gegen Cyberattacken geschenkt werden.

Unnötige gesetzliche Auflagen

Der Handelsverband Deutschland und der Bundesverband des deutschen Lebensmittelhandels haben diese Erkenntnisse bereits der Politik vorgetragen und gefordert, den Lebensmittelhandel nicht mit unnötigen Auflagen zu belasten. Jedes Unternehmen hat selbst ein großes Interesse daran, dass der Betriebsablauf nicht gestört wird und ergreift daher zahlreiche Maßnahmen zur Absicherung. Unnötige gesetzliche Auflagen erhöhen die Kosten und damit die Preise für Lebensmittel. Das kann noch vermieden werden.

Kommentar von Michael Gerling, EHI, März 2015


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