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16.09.2020

Energie beim Einkauf

Alle Themen Energiemanagement #e-Mobilität #Ladesäulen

Interview mit Thomas Tappertzhofen //

Herr Tappertzhofen ist Geschäftsführer bei GreenCycle, der Umweltsparte der Schwarz Gruppe. In dieser Funktion leitet er u.a. den zentralen Bereich Energie- und Umweltinnovationen mit dem Schwerpunkt Erneuerbare Energien.

Was motiviert die Schwarz-Gruppe über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, langfristig in Ladeinfrastruktur zu investieren?

Bildquelle: GreenCycle/Schwarz Gruppe

Bildquelle: GreenCycle/Schwarz Gruppe

Tappertzhofen: Für uns ist die Investition in den Ausbau des E-Ladenetzwerks ein weiterer Baustein unseres Nachhaltigkeitsengagements. Mit den öffentlich zugänglichen Ladestationen setzen wir auf eine bedarfsgerechte Infrastruktur und stellen unseren Kunden einen zusätzlichen Service für die Zeit ihres Einkaufs zur Verfügung.

Hierbei bedarf es einer hohen Ladeleistung, um unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten zu können. Aufgrund dessen setzen wir beim Ausbau unserer E-Ladeinfrastruktur verstärkt auf DC-Ladesäulen (Schnellladesäulen), was über die gesetzlichen Anforderungen des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG) an die Ladeleistung hinausgeht. Zudem verfügen unsere Ladesäulen in der Regel mindestens über zwei Ladepunkte, womit wir auch hier über den gesetzlichen Anforderungen liegen.

Ihrer Kundschaft wird der Strom an der Ladestation derzeit kostenfrei zur Verfügung gestellt. Können bzw. möchten Sie das auch in Zukunft beibehalten?

Tappertzhofen: Wir stellen eine sehr dynamische Marktentwicklung fest und rechnen mit deutlich steigenden Lademengen in naher Zukunft. Dabei haben wir selbstverständlich auch die jeweiligen Kundenbedarfe und unternehmerischen Interessen im Blick.

Wie viele Ladestationen hat die Schwarz Gruppe bereits installiert? Was ist für das nächste Jahr geplant und inwiefern hat die Corona-Krise die Planung für das nächste Jahr beeinflusst?

Tappertzhofen: Gegenwärtig hat die Schwarz Gruppe an ihren Filial- und Verwaltungsstandorten rund 2.000 Ladesäulen in insgesamt knapp 15 Ländern in Betrieb. Allesamt werden sie mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt. Durch die Corona-Krise gab es im Frühjahr zeitweise Verzögerungen bei der Errichtung der Ladesäulen. Ansonsten hat die Corona-Krise keine weiteren Auswirkungen auf den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur.

Foto: Pablo Castagnola

Foto: Pablo Castagnola

Was gilt es bei der Planung und Installation der Ladestationen (technisch und regulatorisch) zu beachten?

Tappertzhofen: Bei der Planung von E-Ladesäulen betrachten wir die Nachfrage vor Ort, die Eigentumsverhältnisse am Standort, die gesetzlichen Anforderungen und Regelungen je Bundesland (z. B. Garagenverordnung Hessen) sowie die für uns obligatorische Grünstrom-Zertifizierung.

Aus technischer Sicht stellt eine vorherige Abstimmung mit den Netzbetreibern und die durch sie zu gewährenden Erweiterungen der Anschlussleistung oftmals eine Herausforderung dar. Dies liegt insbesondere an der Vielzahl an Netzbetreibern mit jeweils eigenen Vorgaben und Vorgehensweisen. Hier wäre eine Vereinheitlichung des Prozesses über alle Netzbetreiber sowie die Einführung einer verpflichtenden Rückmeldefrist für die Netzbetreiber wünschenswert.

Aus regulatorischer Sicht gibt es vielfältige Meldepflichten und Regelungen, insbesondere beim Vorhandensein einer Photovoltaikanlage, die es zu beachten gilt.

Wie reagiert Ihre Kundschaft auf die Ladestationen? Hat sich das Kundenverhalten an Standorten mit Ladepunkten verändert?

Tappertzhofen: Wir erhalten sehr positive Reaktionen von unseren Kunden. So erreichen uns regelmäßig Nachfragen, wann auch an „ihrer“ Filiale eine E-Ladesäule installiert wird. Zudem nehmen wir wahr, dass die Anzahl der E-Fahrzeuge und damit auch die Auslastung unserer E-Ladestationen zunehmen.

Vor über einem Jahr haben Sie ein gemeinsames Projekt mit Volkswagen und WeShare in Berlin gestartet, an dem Ihre Ladestationen an den Filialen außerhalb der Öffnungszeiten von dem CarSharing Anbieter WeShare genutzt werden. Welche Erfahrungen haben Sie dazu im letzten Jahr gesammelt und sind weitere Kooperationen geplant?

Tappertzhofen: Seit dem Start der Kooperation im Juni 2019 haben wir sehr positive Erfahrungen gemacht. Die Kooperation funktioniert gut – ohne dass es zu Einschränkungen für unsere Kunden kommt. Tagsüber stehen die E-Ladesäulen unseren Kunden zur Verfügung, nachts wird die WeShare-Flotte geladen. Damit wird die Auslastung der Stationen verbessert und wir leisten einen weiteren Beitrag zur Energiewende in Großstädten.

Seit April 2020 gibt es zudem eine Kooperation mit MOIA, einem Mobilitätsservice im Auftrag der Stadt Hamburg. Auch weitere mögliche Kooperationen prüfen wir kontinuierlich.

 

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