Benjamin Chini

Projektleiter Forschungsbereich EnergiemanagementTel:+49 221 57993-700
E-Mail:chini@ehi.org Kontaktformular
04.12.2015

Stromkosten: Teuerung frisst Einsparungen

Alle Themen Energiemanagement #Energiekosten

Bildnachweis: Coloures-pic / fotolia

Bildnachweis: Coloures-pic / fotolia

Kein Thema bewegt die Energiemanager des Handels mehr als die steigenden staatlichen Abgaben auf elektrischen Strom. Denn im Gegensatz zu den meisten privaten Haushalten entfällt mit 84 Prozent im Food- und 68 Prozent im Nonfood-Handel der weitaus größte Teil des Energieverbrauches auf Strom. Hinzu kommt, dass man für eine Kilowattstunde Strom vier Mal so viel bezahlen muss wie für dieselbe Menge Erdgas.

Die kurzzeitig leicht gesunkene EEG-Umlage sowie ebenfalls gesunkene Einkaufspreise bewirken seit 2014 eine leichte Entspannung der Kostensituation. Nur 32 Prozent der von uns befragten Händler berichten, dass ihre Energiekosten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen seien. Hier ist jedoch in den kommenden Jahren mit einer deutlichen Trendumkehr zu rechnen. Allein die EEG-Umlage wird in 2016 von 6,17 auf 6,35 Cent pro Kilowattstunde steigen. Zusätzlich sind vor allem eine steigende KWK Umlage sowie höhere Netznutzungsentgelte zu erwarten. Weitere Umlagen (wie z.B. die §19 StromNEV oder die Offshore-Umlage) werden die Abgabenlast noch weiter verstärken.

Strom: Teuerung frisst Einsparungen

Vor diesem Hintergrund sind die Händler wenig optimistisch, dass sich in den kommenden Jahren weitere Energiekostensenkungen erzielen lassen werden. Weitere Energieeinsparerfolge werden zwar erwartet, jedoch übersteigen diese nach Einschätzungen der Händler selten 1-2 Prozent pro Jahr. Man befürchtet also, dass die erwarteten Einsparerfolge die Kostensteigerungen voraussichtlich nicht mehr kompensieren können. Immer mehr Handelsfilialisten haben mittlerweile einen hohen Professionalisierungsgrad erreicht. Die Möglichkeiten zur Durchführung von einfachen Maßnahmen zur Hebung großer Effizienzpotenziale mit geringem finanziellem Aufwand sind bei diesen Händlern schon weitgehend ausgereizt. Um die Effizienz von diesem Status aus noch weiter zu erhöhen, sind oft hohe Investitionen mit vergleichsweise langen Amortisationszeiten erforderlich. Da fast 90 Prozent der Handelsimmobilien angemietet sind und die Mietvertragsdauer i.d.R. maximal 15 Jahre beträgt, werden Amortisationszeiten, die 5 Jahre übersteigen nur sehr selten akzeptiert.

Energie: Transparente Systeme

Wer in seinem Filialnetzwerk noch nicht genügend Transparenz geschaffen hat, um wesentliche Energiefresser aufzuspüren und mit nicht- bzw. geringinvestiven Maßnahmen gegensteuern zu können, dem ist zu empfehlen, die Einführung von Systemen zu prüfen, die genau diese Transparenz herstellen können. Die positiven Erfahrungsberichte der Händler bestätigen dies. Unsere aktuelle Befragung „Energie-Monitor 2015“ zeigt, dass die Händler durchschnittlich bereits etwa 70 Prozent ihres Stromverbrauchs messtechnisch in ein zentrales Energie-Monitoring-System eingebunden haben. Ein systematisches, Wärmeenergie-Monitoring betreiben bisher hingegen erst weniger als 10 Prozent, was auf die untergeordnete Rolle des Wärmeenergieverbrauchs im Handel zurückzuführen ist. Dennoch steht insbesondere bei den Händlern, die ihren Stromverbrauch schon gut im Griff haben, auch das Thema Wärme auf der Prioritätenliste.

Audits: Lohnender Mehraufwand?

Die Einführung umfassender Energie-Monitoring-Systeme kann je nach Unternehmensstruktur eine sehr anspruchsvolle Aufgabe sein. Die seit diesem Jahr verpflichtenden Energieaudits nach DIN EN 16247-1 können je nach dem bisher erreichten Stand des Energiemanagements ebenfalls helfen, die Transparenz zu erhöhen. Bei Händlern mit ohnehin schon gut strukturiertem filialweiten Energiemanagement werden die Audits allerdings eher als zusätzlicher Dokumentationsaufwand gesehen bzw. als eine Erfassung von Daten, die ohnehin schon bekannt sind. Bei Franchising-Systemen, selbstständigen Händlern, die in Verbundgruppen organisiert sind, oder Mischungen aus selbstständigen Händlern und Regiebetrieben ist eine flächendeckende Erfassung und Überwachung aller Verbräuche oft besonders schwierig zu realisieren. Strukturbedingt funktioniert die Einführung neuer Systeme hier nicht immer nach dem Top-down Prinzip und vor der Einführung eines solchen Systems steht zunächst einmal die Frage nach den Finanzierungsmöglichkeiten im Vordergrund.

Wer zudem schon eigene, gut funktionierende Systeme zum Monitoring und Managen von Energie eingeführt hat, sieht in den Energiemanagementsystemen nach ISO 50001 keinen Effizienzgewinn, sondern zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Andererseits entbinden diese Systeme von den Energieaudits nach DIN EN 16247-1. Deshalb sollte die Politik Anreize schaffen, die den Händlern die Einführung zertifizierter Systeme erleichtert, z.B. durch Finanzierungshilfen. Auch sollten geeignete Lösungen für Verbundgruppen, bei denen die Einführung vergleichbarer Systeme naturgemäß schwieriger ist, gefunden werden.

Bisher schreibt das Energiedienstleistungsgesetz nur eine Bestandsaufnahme der Energieverbräuche im 4-Jahres-Rhythmus vor. Händler sollten aber damit rechnen, dass diese bisher reine Erfassungs- und Dokumentationspflicht vom Gesetzgeber zukünftig um die Pflicht von konkreten Einsparzielen erweitert werden könnte. Wer sich jetzt darauf einstellt, erspart sich im Zweifel eine unangenehme Überraschung.

 

Köln, Dezember 2015
Benjamin Chini, EHI


Ähnliche Meldungen

17.01.2019 E-Mobilität bei Edeka

Noch ist der Markt überschaubar, doch E-Mobilität wird immer relevanter. Viele Händler stellen ihren Kunden bereits E-Ladesäulen zur Verfügung. So auch die Edeka Minden-Hannover. Thomas Müller

23.11.2018 Knete oder Klima

Erfolg wird in der Wirtschaft primär durch monetäre Maßstäbe definiert. Die alarmierende Veränderung des Weltklimas sowie die wachsende soziale Ungleichheit bringen uns aber zu einer

15.11.2018 Engagement für Energieeffizienz

Drei Fragen an Christiane Scharnagl, Sustainability Manager, Ikea / Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie „People & Planet Positive“ engagiert sich Ikea für eine Verkehrswende. Was

06.09.2018 Licht macht Appetit

Ins rechte Licht gerückt, entfalten viele Produkte erst ihre volle optische Wirkung und fördern Inspiration und Kauflust. Dabei ist jedoch nicht Licht gleich Licht. So fällt die Wahl der

06.09.2018 Laden für lau

Aldi Süd erweitert seine kostenlosen Ladestationen / Einer der größten deutschen Lebensmittelhändler baut seinen Service für E-Mobilität weiter aus. Bald können Kunden an ca. 80

24.07.2018 Dem Handel geht ein Licht auf

Faszination Licht – zur effizienten Unterstützung der Marke Der Stellenwert von Licht ist im Handel in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die Beleuchtung im Handel ist heute mehr als eine

28.06.2018 Unter Strom

Energiekosten belasten den Einzelhandel. Über die Optimierung der Prozesse diskutierten Verantwortliche aus der Branche beim EHI-Themenworkshop „Smart Retail“. Ihre Vorschläge lesen Sie im

11.01.2018 Erfahrungen in China

Interview with Jeroen de Groot, CEO of Metro Cash & Carry China / Metro Cash & Carry entered the Chinese market in 1996 and now runs 90 stores all over the country. The food wholesale

02.11.2017 Weniger ist mehr

Gute Beispiele für einen verantwortungsvollen Umgang mit Energieressourcen gibt es im deutschen Handel immer mehr. Eines davon ist der Retailer Obi, der seinen Gas- und Stromverbrauch – und

02.11.2017 Investitionen mit wirtschaftlichem Vorteil

Interview mit Guido Koch, Verantwortlicher für das Energiemanagement bei Globus SB-Warenhaus Holding / Was sind die drei wichtigsten energetischen Herausforderungen für Ihr Unternehmen in den

29.09.2017 Umweltfreundlich unterwegs

Elektromobilität nimmt auf europäischen Straßen immer mehr Fahrt auf und der Handel fährt mit. Die Coop Schweiz macht es vor und hat ihren ersten 34-Tonnen-Wasserstoff-Lkw auf die Straße

15.02.2017 Nachhaltige Shops gestalten

Über die Vorteile nachhaltiger Shops informiert die DGNB kostenfrei am 07. März 2017 auf der EuroShop 2017 im Rahmen eines Vortrags und eines Seminars*, und stellt ihr Planungstool für

15.12.2016 Verweilen in asiatischem Ambiente

EHI-Lounge auf der EuroShop 2017 Vom 5. bis 9. März 2017 ist es wieder soweit – die EuroShop, die weltgrößte Messe für Investitionsgüter des Handels, lockt die internationale Handelswelt zum

12.10.2016 Engagement für Energieeffizienz

Für ein neues Modellvorhaben zur Energieeffizienz im Handel sucht die Deutsche Energie-Agentur (dena) Handelsimmobilien, bei denen eine Sanierung ansteht. Interessierte Einzelhändler oder Vermieter

03.08.2016 EMA 2016: Herausragende Energieeffizienz wird prämiert!

EHI-Energiemanagement Award 2016 - jetzt bewerben! Bereits zum neunten Mal vergeben wir die EHI-Energiemanagement Awards für herausragende, energieeffiziente Konzepte im Handel. Ausgezeichnet