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09.06.2020

Fahrt aufnehmen

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Der Handel wird beim Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge in die Pflicht genommen. Einiges ist schon auf den Weg gebracht, aber sinnvolle Standards könnten helfen, damit der Aufbau mehr Fahrt aufnehmen kann, findet Olaf Schulze, Director Energy Management, Metro AG.

Olaf Schulze, Director Energy Management, METRO AG

Olaf Schulze, Director Energy Management, METRO AG

 

Wie ist der aktuelle Stand beim Aufbau von Ladestationen in Deutschland bzw. weltweit und was ist zukünftig geplant?

In Deutschland sind 5 Metro Stores, die Verwaltungsstandorte in Düsseldorf, Saarbrücken und Meckenheim mit Ladestationen ausgestattet, weltweit haben wir 400 Ladepunkte am Start. Der 1. Großmarkt war allerdings schon 2012 mit 4 Ladepunkten  sowie 6 am METRO Campus ausgestattet, von deren Anwendung wir viel lernen konnten. Je nach Marktsituation und auch Marktpartnern haben wir verschiedene Situationen in unseren Metro Ländern, Portugal und Polen haben an jedem Großmarkt eine Ladestation, Bulgarien hat 8 von 11 Großmärkten ausgestattet. Bis Ende 2024 wird entsprechend der EU Gebäudeeffizienz- Richtlinie jeder Großmarkt mindestens einen Ladepunkt haben.

Welche Hürden z.B. technisch und regulatorischer Art sind dabei zu überwinden und welchen Einfluss haben dabei die jüngsten Entwicklungen durch Covid-19?

Die Hürden, dass das nicht schneller geht sind ganz klar: Einerseits kostet Ladeinfrastruktur wirklich viel Geld, sodann haben wir viele technische Limitierungen – an unsere Transformatoren können nicht ohne weiteres weitere Großverbraucher wie Ladestationen angeschlossen werden. In Düsseldorf, wo wir im Parkhaus mehr als 60 Ladestationen in 2019 errichteten, mussten wir umfangreichen Erd- und Einbindungsarbeiten vornehmen – und eine weitere Mittelspannungstrafostation errichten. Covid 19 und die Schließung der Restaurants und Hotels hat den Aufbau von Ladeinfrastruktur jedenfalls nicht beschleunigt. Unsere Gastro- Kunden haben mutmaßlich auch derzeit völlig andere Sorgen, als sich ein Elektofahrzeug zuzulegen.

Welchen Nutzen sieht Metro über die gesetzliche Verpflichtung hinaus, auf den Parkplätzen Ladestationen zu errichten?

Ganz klar sehen wir in dem Angebot von Ladeinfrastruktur die Möglichkeit, vor allem unseren Gastrokunden einen weiteren Service zu bieten. Diese besuchen uns mehrmals wöchentlich im Großmarkt und können ihr Elektrofahrzeug aufladen. In den großen Städten wird diese Rechnung auch bis 2024 aufgehen. Aber wenn ab 2025 auf jedem Parkplatz mit mehr als 20 Parkplätzen – egal wo in Deutschland und der EU – ein Ladepunkt installiert werden muss , damit die Anzahl der Elektrofahrzeuge hochläuft, dann können wir manchen Kritikern nicht widersprechen, dass der Handel – und natürlich alle anderen Gebäudeeigentümer auch – das Geschäftsmodell der Automobilindustrie finanzieren muss. Was aber bleibt ist: Wir haben Kunden, Parkplätze und sind Partner unserer Kunden. In Deutschland ist es uns bisher nicht gelungen, auseichend Industrie- und Energiedienstleister-Partner zu binden, die die Ladeinfrastruktur, Abrechnungssoftware und natürlich eine Investitionsbereitschaft haben, aus der sich ein Betreibermodell an den Metro Märkten entwickeln lässt – was in Bulgarien, Portugal oder Polen aber bestens klappt.

Hat sich das Kundenverhalten an Standorten mit Ladestationen in den letzten Jahren verändert und wie werden diese von der Kundschaft angenommen?

Das ist leider noch nicht messbar. Mal ehrlich, die Elektrofahrzeuge fangen erst an, natürlich auch gefördert durch steuerliche Vorteile, im Verkehr sichtbar zu werden. Aber ich gehe davon aus, dass Kunden künftig erwarten, dass eine Ladestation am Großmarkt vorhanden ist, so wie sie erwarten können, dort sanitäre Einrichtungen und andere Services  nutzen zu können. Da Ladestationen sehr teuer sind, und der Strom auch, wird Ladestrom auch für Kunden künftig einen Preis haben und kann nicht verschenkt und beigegeben werden. Eine Differenzierung wird künftig daher auch der Ladepreis sein.

Was sollte sich ändern, um den Aufbau der Ladestationen für den Handel einfacher zu gestalten?

Es sollten sinnvolle Standards für E-Mobilität entwickelt werden (also möglichst hohe Kompatibilität für Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur und Bezahl- bzw. Abrechnungssysteme). Zur Wirtschaftlichkeit von E-Mobilität können flexible Preissignale beitragen, welche gleichzeitig eine netzdienliche Nutzung von Ladeinfrastruktur versprechen würde. Hierzu braucht es geeignete politische Weichenstellungen. Da gerade vom Handel und Handelsimmobilien erwartet werden kann, dass diese künftig noch mehr Photovoltaikstrom erzeugen, der dann mehr oder weniger zeitgleich und dezentral während der Öffnungszeiten in die Autobatterien geladen wird, muss endlich das komplexe und extra-teure Mess- und Meldewesen des EEG entschlackt werden. Eines wird nicht passieren: Das Laden der Elektrofahrzeuge wird sich an den Öffnungs- und Betriebszeiten der Handelsgeschäfte orientieren, nicht umgekehrt. Handel bleibt Handel, und Laden wird ein gern angebotener Service sein, niemals ein Hauptzweck einer (Handels-)Immobilie.


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