Sven Althaus

Public RelationsTel:+49 221 57993-870
E-Mail:althaus@ehi.org Kontaktformular
23.01.2020

Forecast 2020: Kampf gegen Verpackungsmüll

Alle Themen Verpackung #Recycling #Rezyklat #Verpackung

Nachhaltigkeit ist aktuell in der Gesellschaft stark in der Diskussion, auch in Bezug auf Verpackungen. Was lassen sich die Unternehmen aus Handel sowie Konsumgüter- und Verpackungsindustrie einfallen, um die Verpackungsflut zukünftig einzudämmen?

Bildnachweis: EHI

Hilka Bergmann, Leiterin Forschungsbereich Verpackung und Versand

Bergmann: Bei den Maßnahmen geht es in erster Linie um die Vermeidung und Reduktion (reduce), die Wiederverwendbarkeit (reuse) und die Wiederverwertbarkeit (recycle) von Verpackungen. Nicht zuletzt seit Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes Anfang 2019 – und den in diesem festgeschriebenen, in manchen Materialfraktionen bisher kaum erzielbaren Recyclingquoten – hat das Bestreben, die Recyclingfähigkeit von Verpackungen sowie den Einsatz recycelter Materialien zu erhöhen, deutlich zugenommen. Für Kunststoff-Verpackungen werden aktuell vermehrt alternative Lösungen oder besser recyclingfähige Materialien eingesetzt. Ziel ist es, Wertstoffkreisläufe zu schließen und auf diese Weise Verpackungsmüll zu vermeiden. Gleichzeitig darf der Schutz der verpackten Produkte nicht außer Acht gelassen werden. Zudem ist es bei der Verpackungswahl wichtig, die Maschinengängigkeit der Materialien und die Convenience für den Konsumenten zu berücksichtigen.

Das Streben nach ökologisch nachhaltigen, zugleich schützenden und praktikablen Verpackungslösungen wird Handel, Konsumgüter- und Verpackungsindustrie auch in 2020 weiterhin entscheidend prägen.

Welche Rolle spielt speziell der Handel bei diesem Thema?

Bergmann: Der Handel spielt bei diesem Thema eine sehr bedeutende Rolle. Zum einen schauen die Unternehmen in ihren Sortimenten, welche Verpackungen sich sinnvoll optimieren lassen – vor allem in den Bereichen Eigenmarken, Serviceverpackungen, Obst- und Gemüse, Convenience und E-Commerce. Zum anderen stellen sie Forderungen an die Industrie und gehen mit Partnern entlang der Supply Chain in den Austausch, um ökologisch vorteilhaftere Verpackungen einzusetzen. Teilweise haben sich Händler mit anderen Unternehmen zu Initiativen zusammengeschlossen, um gemeinsam mehr bewirken zu können. Zusätzlich klären Handelsunternehmen verstärkt die Kundinnen und Kunden auf, welche Verpackungen ökologisch nachhaltig gestaltet sind, bei welchen Optimierungen vorgenommen wurden und wie Verpackungen getrennt und entsorgt werden müssen.

Die Rewe Group hat die umweltfreundlichere Gestaltung von Verpackungen in einer übergreifenden Strategie unter dem Motto „Vermeiden, verringern, verbessern“ verankert: Bis Ende 2025 sollen sämtliche Kunststoffverpackungen der Rewe und Penny Eigenmarken, die nicht vermieden werden können, recyclingfähig sein. Zudem wollen Rewe und Penny bis Ende 2025 insgesamt 20 Prozent weniger Kunststoff bei ihren Eigenmarkenverpackungen verwenden und bereits bis Ende 2020 bei Papierverpackungen ausschließlich zertifizierte Rohstoffe einsetzen. Sämtliche Eigenmarken-Verkaufsverpackungen sowie Serviceverpackungen der Rewe Group werden bis Ende 2030 hinsichtlich ihrer Umweltfreundlichkeit optimiert.

Aldi Nord und Aldi Süd verfolgen bei ihrer Verpackungsmission ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz. Vermeiden, Wiederverwenden und Recyceln stehen klar im Fokus. Bis Ende 2022 sollen alle Eigenmarken-Produktverpackungen recyclingfähig sein. Zwei Drittel sind dies bereits heute. Das Gesamtgewicht der Eigenmarken-Produktverpackungen soll bis zum Jahr 2025 um 30 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 2015 reduziert werden.

dm drogerie-markt hat das Forum Rezyklat gegründet, um sich gemeinsam mit Partnern entlang der Supply Chain dafür einzusetzen, Wertstoffkreisläufe entlang des gesamten Wertschöpfungsprozesses und bei der Kundschaft aus Gründen der Ressourceneffizienz, des Umwelt- und Klimaschutzes zu schließen. Dies soll durch die Förderung des Einsatzes von Rezyklaten sowie der Verbesserung der Recyclingfähigkeit und nicht zuletzt durch eine bessere Verbraucheraufklärung und Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden erreicht werden. Partner des von dm initiierten Forums Rezyklat sind 34 Mitgliedsunternehmen bestehend aus Handelsunternehmen (dm, Rossmann, Globus), Konsumgüterherstellern, Entsorgern und Verpackungsherstellern. Die Idee ist, das Wissen und die Erfahrung der verschiedenen Beteiligten entlang der Supply Chain zu vereinen, gemeinsam in die Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden zu gehen und bei der Schließung von Wertstoffreisläufen und der Vermeidung von Verpackungsmüll gemeinsam mehr zu bewirken.

Im Onlinehandel sollen weniger überdimensionierte Verpackungen versendet werden. Zudem wird zunehmend über Alternativen zu Kunststoffbeuteln sowie über Mehrweglösungen für die Versandverpackung nachgedacht, wie bei Otto oder Zalando.

Welche Herausforderungen gibt es zukünftig bei ökologisch nachhaltigen Verpackungslösungen, speziell bezüglich der Recyclingfähigkeit und des vermehrten Einsatzes von Rezyklaten?

Bergmann: Eine entscheidende Herausforderung liegt in der Verfügbarkeit von Rezyklaten bzw. in der verfügbaren Menge an qualitativ verwendbaren Wertstoffen. Aktuell existiert lediglich ein Kunststoff-Rezyklat-Standard für Lebensmittelverpackungen (Foodgrade). Zur Erhöhung der Recyclingquote wäre es sinnvoll, für Verpackungen aus den Bereichen Kosmetik sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel weitere rechtsverbindliche Rezyklat-Standards zu definieren. Neue, innovative Technologien zur Kennzeichnung der verschiedenen Kunststoffqualitäten für eine effiziente, saubere Sortierung bei den dualen Systemen können ebenfalls neue Möglichkeiten bieten, um die Menge an verfügbaren Rezyklaten und die Recyclingquoten zu erhöhen.

Neuer (virgin) Kunststoff ist günstiger als Rezyklate. Der Einsatz von Rezyklaten soll aber den Kreislaufwirtschaftsgedanken und damit die Vermeidung von Verpackungsmüll fördern. Zwischen der Recyclingfähigkeit, dem reduzierten Materialeinsatz und dem Produktschutz besteht teilweise ein Zielkonflikt, sodass für jeden Artikel individuell eine optimale Lösung gefunden werden muss.

Um Wertstoffkreisläufe zu schließen und die Recyclingquoten zu erhöhen, ist es wichtig, dass nicht nur einzelne, sondern sämtliche Stufen der Supply Chain gefordert werden. In der öffentlichen Diskussion ist häufig vor allem der Handel im Visier. Doch auch die Handelsunternehmen können das große Ziel nur gemeinsam mit Konsumgüterindustrie, Verpackungsindustrie, Entsorgungsunternehmen, den Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Politik erreichen.

Neue Forschungsergebnisse und Insights der Handelsunternehmen zum Thema Verpackung hören Sie beim Zukunftsforum Packaging – Nachhaltigkeit im Fokus (weitere Informationen folgen) von EHI und GS1 Germany am 19./20. August 2020 in Köln und beim 26. Handelslogistik Kongress am 24./25. März 2020 in Köln.


Ähnliche Meldungen

26.02.2020 Verpackung verwerten

Interview mit Daiga-Patricia Kang, Strategische Partnerschaften und Kooperationen, dm-drogerie markt // dm-drogerie markt hat das ForumRezyklat (FR) gegründet, um sich gemeinsam mit Partnern

29.03.2019 Verkauf ohne Verpackung

Unverpackt hat sich zu einem regelrechten Trend entwickelt. Immer mehr Geschäfte bieten Kunden den Service an selbst mitgebrachte Behälter zu befüllen. Aber der Unverpackt-Trend polarisiert

15.11.2017 Pünktliche Päckchen

Weihnachten ist das Fest der Freude - und der Geschenke! Für den Handel bringt diese umsatzstarke Zeit aber auch einige Herausforderungen mit sich. Denn besonders junge Kunden zählen zu den

23.05.2017 R4R – Robotics for Retail-Initiative des EHI

Robotics for Retail (R4R) - eine Initiative vom EHI in Kooperation mit 15 Partnern – will die Entwicklung und Einführung von Automatisierungs- und Robotiklösungen im Handel vordenken und

12.03.2015 Neues Poster: Verpackungsanforderungen 2015

Das EHI-Poster „Verpackungsanforderungen in der automatisierten Handelslogistik 2015“ zeigt übersichtlich die wesentlichen Anforderungen an die Einwegtransportverpackung und an das Paletten-

12.03.2015 Mehr als 300 Teilnehmer auf der Log 2015

Bereits zum 21. Mal präsentiert sich die Log 2015 im Congress-Centrum-Ost der Kölner Messe und wird erneut an die 350 Teilnehmer verzeichnen. Die Log ist der bedeutendste Handelslogistik Kongress

01.03.2015 Neue Trendstudie Handelslogistik 2015 erscheint Ende März

Bereits zum sechsten Mal führen EHI Retail Institute und Fraunhofer IML gemeinsam mit Hilfe einer Online-Befragung eine umfassende Studie zu den Trends in der Handelslogistik durch. Wie schon in den

19.01.2015 Soviel wie nötig, so wenig wie möglich

Retouren, Verpackung, Logistikorganisation – EHI-Studie zum Versand- und Retourenmanagement Vom Sofa aus rund um die Uhr shoppen – immer mehr Kunden finden Gefallen daran und stellen die