Marco Atzberger

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02.10.2015

Gelassene Betriebsamkeit

Alle Themen Immobilien + Expansion #Ladenbau

Bildnachweis: BartCo - iStock

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Handel auf dem Weg zum Omnichannel

Die dunkle Bedrohung durch das Online-Shopping und der Massenexitus von zig-tausenden stationären Läden werden derzeit wieder einmal lautstark durch die Medien getrieben, sie stehen jedoch im klaren Widerspruch zu der Stimmungslage im deutschen Einzelhandel.

In drei unabhängig voreinander durchgeführten Erhebungen zeichnet sich vielmehr ein Bild von gelassener Betriebsamkeit, die natürlich die Notwendigkeit eines Wandels anerkennt, diese Herausforderung aber auch annimmt und längst Lösungen umsetzt.

Kein Schreckgespenst in Sicht

In der EHI-Studie zu Digitalisierung im Ladenbau, in der Befragung der Expansionsleiter durch das EHI in Kooperation mit der Hahn Gruppe und auch in der schriftlichen Befragung auf dem GC-Kongress in der letzten Woche in Berlin beurteilen die Händler ihre Situation positiv, da man auf einem guten Weg bei der Digitalisierung sei und sich auf bessere Geschäfte (in Wortsinn!) und Neueröffnungen einstelle. Es ist also kein Schreckgespenst in Sicht.

Die Expansionsleiter der führenden 250 Filialketten beispielsweise ordneten als Restriktionen bei der Expansion (und das sollten sie schließlich sehr gut beurteilen können) die „Verfügbarkeit geeigneter Objekte“, „Hohe Miet- und Nebenkosten“ und auch den Klassiker der „Baurechtlichen Rahmenbedingungen“ und den „Starken stationären Wettbewerb“ über der zunehmenden „Konkurrenz durch E-Commerce“ ein.

Online-Shopping als Katalysator

Das veränderte Einkaufsverhalten, bei dem Online-Shopping natürlich als Katalysator wirkt, führt zu höheren Ansprüchen bei der Standortwahl. Die Erreichbarkeit mit dem Auto, die Attraktivität des Umfeldes sowie die Integration in die Innenstadt sind für das Ladengeschäft wichtige Kriterien. Außerdem suchen 44 Prozent der Expansionsleiter sogar größere Flächen, um mehr Komfort, mehr Waren und mehr Erlebnis bieten zu können. Das Angebot solcher geeigneten Objekte ist allerdings begrenzt und führt zu höheren Mieten – denn Handel wird auch weiterhin an 1a-Lagen stattfinden.

Dass Handel heute auch im Internet stattfindet, wissen die stationären Händler sicherlich. So zeigt die EHI/statista-Studie zu den TOP-1000 Online-Shops in Deutschland, dass gerade die Online-Händler über Durchschnitt wachsen, die auch stationär etabliert sind – und damit auch den Gesamtmarkt stützen.

Die stationären Händler passen ihre Standorte und Services an, die digitalen Shops sind auf Wachstumskurs – das Bild eines Omni-Channel präsenten Handels formt sich langsam aus – insofern keine Überraschung, dass sich der Handel auf das kommende Weihnachtsgeschäft freut.

 

Köln, im Oktober 2015
Marco Atzberger, EHI


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