Horst Rüter

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30.06.2020

Hätten Sie gern noch ein wenig Bargeld?

Alle Themen #Bargeld #Bargeldauszahlung #Cash-Handling

… wer wird bei dieser Frage nicht hellhörig? Schon seit 2003 werden Rewe-Kunden beim Bezahlen an der Kasse immer mal wieder proaktiv an das Auffüllen ihrer Portemonnaies erinnert. Die Bargeldauszahlung am POS hat sich seitdem gerade im Lebensmittelhandel zu einem echten Renner entwickelt. Die jüngste Payment-Studie des EHI hat gezeigt, dass immerhin 2,8 Prozent des gesamten Bargeldumsatzes via „Cash Back“ wieder an die Kunden ausgegeben wird. Bei den großen Discountern sind das pro Jahr solide dreistellige Millionenbeträge – trotz deutlich sinkender Bargeldanteile. 34,1 Prozent aller großen Unternehmen des EHI-Payment-Panels bieten mittlerweile diesen Service.

Die Nachfrage der Kunden ist in den letzten Jahren spürbar angezogen – der Grund dafür: ein deutlicher Abbau von Geldausgabeautomaten durch die Kreditwirtschaft und ein latenter Ärger der Kunden über mögliche Gebühren, die Ihnen Banken und Sparkassen beim Bezug von Bargeld abverlangen.

Bequem und gebührenfrei ist es stattdessen beim Einkaufen möglich, ab 5, 10 oder 20 Euro Einkaufsbetrag oder bei dm sogar schon ab 1 Cent – zumindest für die Kunden. Aktueller Durchschnittsbetrag: 96,49 Euro. Genau hier liegt aber der Knackpunkt, der zunehmend für Ärger in den Finanzabteilungen des Handels sorgt. Denn der Einzelhandel zahlt momentan zwischen 0,11 und 0,18 Prozent Gebühren für die Bargeldauszahlung an die Kreditwirtschaft – an eben genau diese Kreditwirtschaft, die durch den Abbau von Geldausgabeautomaten sowieso schon Millionenbeträge einspart und sich allmählich aus ihrer ureigenen Dienstleistung und Verpflichtung der flächendeckenden Bargeldversorgung still und heimlich verabschiedet.

Aus dem ursprünglichen Marketing-Clou der Rewe ist heute für den Handel vielerorts ein von den Kunden eingeforderter Service geworden, der im LEH fast schon zum Standard gehört … Ein wenig mutet das an wie bei Goethes Zauberlehrling, bei dem sich die gerufenen Geister recht schnell sehr verselbständigen.  Und bei Gebühren von mehreren hunderttausend Euro pro Jahr macht man sich auch bei einem Discounter Gedanken, wie man die Geister im Zaum hält, insbesondere bei sukzessive steigenden Volumina, die nur gerade mal einen Corona-bedingten Dämpfer erhalten haben.

Vielleicht gilt die Bargeldauszahlung am POS ja mittlerweile aber auch schon als systemrelevant, so dass man in Krisenzeiten alsbald mit staatlichen Subventionen für diesen Service rechnen kann … Das wäre dann sicher für den Handel auch o.k., falls man mit der Kreditwirtschaft in der Gebührenfrage keine Einigung erzielen kann.

Horst Rüter, Juli 2020
Leiter Forschungsbereich Zahlungssysteme und Mitglied der Geschäftsleitung des EHI

 

Die  Studie „Zahlungssystem im Einzelhandel 2020“ ist im EHI-Shop und auf ehi.org erhältlich.


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