Michael Gerling

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04.01.2018

Handelsagenda 2018

Alle Themen E-Commerce Handelsgastronomie Handelsstruktur Informationstechnologie Logistik #Handelsagenda

Herzlich willkommen im Jahr 2018. Wir wünschen Ihnen, dass es ein gutes Jahr wird. Ein Jahr mit vielen Veränderungen. Ein Jahr mit vielen spannenden Projekten. Ein Jahr mit guten Geschäften. Vor allem aber ein Jahr mit vielen guten Nachrichten und mit vielen glücklichen Tagen für den Einzelhandel.

Der Onlinehandel wird natürlich auch im laufenden Jahr wieder eines der dominierenden Themen sein. Die im Weihnachtsgeschäft 2017 offensichtlichen logistischen Probleme werden nicht dazu führen, dass der Onlinehandel in seinem Wachstum grundsätzlich begrenzt wird. Auch wenn der Marktanteil des Onlinehandels in manchen Branchen bereits 40 Prozent erreicht hat, weiteres zweistelliges Wachstumspotenzial ist in vielen Bereichen vorhanden.

Natürlich gibt es eine Reihe von Aufgaben zu lösen, aber die Logistiker werden sich etwas einfallen lassen. Mehr Filialabholungen, mehr Abholstationen, Belieferung in den Kofferraum der Kunden, Logistikzentren am Stadtrand und vieles andere mehr ist bereits in der Erprobung.

Shoppen: überall und jederzeit

Selbst die größten Protagonisten der Online-Pure-Player haben inzwischen eingesehen, dass stationäre Geschäfte auch in Zukunft ein wesentlicher Pfeiler des Einzelhandels sein werden. Spätestens seit Alibaba und Amazon so deutliche Fortschritte mit ihrem stationären Geschäft machen, sind alle Kritiker des traditionellen Einzelhandels verstummt. In Zukunft geht es nicht mehr um die Frage ob online oder offline, sondern nur noch um die Frage, wie die beiden Welten am besten miteinander verknüpft werden können. Mehr als 70 Prozent aller Menschen in Deutschland wollen auch zukünftig in Geschäften einkaufen. Eine große Gruppe, die nicht einfach ausgeblendet werden sollte.

Natürlich wird es auch in Zukunft Pure-Player geben. Sowohl online wie auch mit einzelnen stationären Geschäften. Dies werden aber eher kleinere Nischenanbieter, Spezialisten oder lokale Platzhirsche sein. Für die Unternehmen mit einer bedeutenden Relevanz für den Gesamtmarkt, wird die Zukunft sicherlich anders aussehen. Sie werden ihren Kunden den Einkauf im Geschäft genauso ermöglichen müssen wie den Einkauf über das Internet.

Interne Organisation im Fokus

Da gibt es aber in der Tat noch einiges zu tun, um den Kunden ein optimales Omnichannel-Einkaufserlebnis zu bieten. Nicht einmal jedes fünfte Unternehmen bietet heute die Möglichkeit, online bestellte Ware in der Filiale abzuholen oder sie dort zurückzugeben. Weniger als 10 Prozent ermöglichen die Prüfung der Filialbestände über das Internet.

Und auch in der internen Organisation läuft noch nicht alles rund. Oft wird mit zwei organisatorischen Einheiten operiert. Zwei Abteilungen für IT, Marketing und Logistik. Zwei Abteilungen für die Stammdatenerfassung, zwei für die Ausbildung der Mitarbeiter. Das Denken in zwei Welten muss jetzt bald beendet werden. Wie kann ein Kunde in einem Geschäft optimal bedient werden, wenn das Online-Geschäft als Wettbewerb im eigenen Hause gesehen wird. Höchste Zeit zum Umdenken in den Unternehmen, Zeit für ein ganzheitlichen Denken über die verschiedenen Absatzkanäle hinweg. Online-Angebote gehören dazu, sie sind wichtig, um die Kunden optimal zu bedienen. Ob man sich allerdings Ziele setzen sollte, die das Verhältnis von Offline- und Online-Umsatz beschreiben, halte ich für mehr als fraglich.

Ein besonderes Augenmerk wird in diesem Jahr sicherlich wieder auf der Lebensmittelbranche liegen. Mit der Übernahme von Bringmeister durch Edeka dürfte die Rewe neben Amazon Fresh einen weiteren ernstzunehmenden Wettbewerber bekommen haben. Schon in der jüngsten Vergangenheit hat sich angedeutet, dass es hier einen schärferen Servicewettbewerb, zum Beispiel bei den möglichen Lieferfenstern, geben wird.

Zwar dürfte damit zu rechnen sein, dass die Marktanteile des Onlinehandels auch bei Lebensmitteln nach und nach ansteigen, gleichzeitig scheint sich aber in der Branche die Meinung durchzusetzen, dass es bestenfalls auf sehr lange Sicht möglich sein wird, das Geschäft auch profitabel zu betreiben. Heute sieht man die Heimbelieferung mit Lebensmitteln eher als eine Serviceleistung gegenüber den Kunden. Eine Sicht, die sehr viele selbständige Kaufleute übrigens schon seit vielen Jahren haben. Denn Ware nach Hause zu liefern ist ja für viele nichts Neues, das Angebot wird nur professioneller und natürlich auch bedeutender.

Neben dem zunehmenden Servicewettbewerb führen die derzeit rasch steigenden Logistikkosten dazu, dass die Erwartungen im Hinblick auf ein profitables Onlinegeschäft mit Lebensmitteln eher zurückgeschraubt werden.

Handel bittet zu Tisch

Zu den Kernthemen des kommenden Jahres wird sicherlich der Ausbau der gastronomischen Angebote im Einzelhandel zählen. Nach unseren jüngsten Erhebungen boten bereits zum Jahresende 2017 etwa 33.000 Geschäfte relevante gastronomische Angebote und erzielten damit einen jährlichen Umsatz von mehr als 9 Milliarden Euro.

Hier wird man sicherlich in vielen Branchen zusätzliche neue Projekte beobachten können. Nicht nur in den Supermärkten und SB-Warenhäusern werden Cafés und Restaurants, heiße Theken und Snackbars weiter ausgebaut. Auch die Shopping Center werden ihre Foodcourts weiter ausdehnen, die Möbelhäuser werden das Restaurantgeschäft weiter forcieren und auch der Textil- oder der Buchhandel wird weiter mit neuen Konzepten experimentieren.

Reputation als Wettbewerbsfaktor

Auf einem nahezu leer gefegten Arbeitsmarkt wird es aber auch darum gehen, möglichst attraktive Angebote für die Beschäftigten zu machen. Der Einzelhandel ist insgesamt ein hoch attraktiver Arbeitgeber mit sehr vielfältigen Aufgabenbereichen und hochinteressanten Karrierechancen. Die zunehmende Digitalisierung leistet einen erheblichen Beitrag dazu, dass zukünftig eine weitere Verschiebung hin zu modernen und vielfältigen Arbeitsbereichen zu beobachten sein wird. Die Automatisierung von Routineaufgaben vom Lager bis in die Filiale hat längst begonnen und die Zahl der Arbeitsplätze mit besonderen Qualifikationsanforderungen nimmt deutlich zu. Das Bild des Einzelhandels als Arbeitgeber in der Öffentlichkeit ist jedoch ein anderes. Definitiv eine wichtige Kommunikationsaufgabe.

Das Jahr 2018 wird für den Einzelhandel aber auch mit einigen wichtigen Pflichtaufgaben verbunden sein. Die Datenschutzgrundverordnung wird neue Anforderungen an den Schutz personenbezogener Daten mit sich bringen und die Unternehmen werden den Kunden mehr Transparenz zu den gespeicherten Daten bieten müssen. Nicht zuletzt wird das Strafmaß bei Verstößen gegen die geltenden Datenschutzbestimmungen wird drastisch erhöht.

Cyberkriminalität: LEH ist vorbereitet

Die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels werden in 2018 erstmalig den Nachweis dafür erbringen müssen, dass sie ihre IT-Systeme ausreichend gegen Cyberkriminalität geschützt haben. Doch die Unternehmen sind gut vorbereitet. Als Folge des neuen IT-Sicherheitsgesetzes haben sich die führenden Unternehmen des Lebensmittelhandels unter dem Dach des EHI an einen Tisch gesetzt und gemeinsam einen entsprechenden Branchenstandard für Cyber-Sicherheit erarbeitet.

Und wenn die neue Regierung dann tatsächlich steht, wird sie sich sicher einiges einfallen lassen, damit uns im Handel nicht die Arbeit ausgeht. Wir dürfen gespannt sein, was das Jahr 2018 in dieser Hinsicht noch so bringen wird.

Der Wettbewerb in unserer Branche ist hart. Niemand kann es sich leisten, sich nicht zu verändern. Tag für Tag wird der Einzelhandel neue Dinge erfinden und ausprobieren müssen. Schön, dass wir diese Entwicklungen begleiten, dokumentieren und gemeinsam mit Ihnen gestalten können. Wir freuen uns auf die gemeinsamen Aufgaben und auf ein gutes Jahr 2018.

Michael Gerling, EHI, Januar 2018


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