Ute Holtmann

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12.07.2018

Internet der Displays

Informationstechnologie Marketing #Digitale Preisschilder #Internet of Things #IoT

Wenn Preisschilder mit Handys sprechen …

Michael Unmüßig, CMO der SES-imagotag, erklärt im Interview, wie digitale Technologien den Handel revolutionieren und warum der deutsche Handel sich besser chinesische Retailer zum Vorbild nehmen sollte …

 

Digitale Preisschilder sind in aller Munde und optimieren die Preisauszeichnung. Jetzt sprechen Sie von Preisschildern als „digitalen Touchpoint“. Was ist damit gemeint?

Die Teilnehmer des Themenworkshops Marketing

Die Teilnehmer des Themenworkshops Marketing

Unmüßig: Der Markt für digitale Preisschilder wächst enorm. Von 2010 bis zum vergangenen Jahr hat sich der Markt ungefähr vervierfacht und wird in nächster Zeit weiter stark wachsen. Digitale Preisschilder können heute deutlich mehr als nur Preise anzeigen. Sie werden auf e-Paper-Basis gebaut und haben eine Auflösung, die wir zum Beispiel vom Amazon Kindle kennen und sind daher unter anderem in der Lage QR-Codes und Barcodes anzuzeigen. Die meisten Preisschilder verfügen auch über eine NFC-Funktion und können damit mit gängigen Smartphones problemlos kommunizieren. Mit diesem Add-on werden die Preisschilder zu echten digitalen Zahlungsterminals, können Zusatzinformationen zu den Produkten liefern und Bestellungen oder Reservierungen aufnehmen. Das macht sie zu digitalen Touchpoints.

Wie wirkt sich der Wettbewerb zwischen on- und offline Handel auf die Verbreitung der digitalen Preisschilder aus?

Unmüßig: Die Verkaufspreise im Handel wechseln immer häufiger. Wenn früher die Preise im Wochen- oder Monatsrhythmus für Aktionen geändert wurden, stehen wir heute in einem Hyper-Wettbewerb. Der stationäre Einzelhandel muss viel schneller auf Angebote aus dem Netz reagieren. Der Preiswechsel ist nicht mehr ein Privileg einer Aktion, die der Händler fährt, er wird zum nüchternen Überleben für den Händler, denn er muss seinen Kunden zeigen, dass er dem Wettbewerb aus dem Netz standhält. Zudem herrscht in vielen Teilen Deutschlands so auch im Handel ein Mangel an qualifiziertem Personal. Das fehlende Personal macht es nötig, Prozesse zu digitalisieren, um das Potential des ausgebildeten Personals möglichst nahe am Kunden einzusetzen.

Ist das “Internet of Displays” ein neuer Hypebegriff?

Unmüßig: Innerhalb der Gruppe des „Internets der Dinge“ (IoT) wird das Thema „Internet der Displays“ eine führende Rolle im Retail einnehmen. Man spricht daher auch von einer „Connected Screen Strategy“. Man muss sich einfach mal vorstellen, wie viele Displays und Sensoren heute schon mit dem oder über das Internet verbunden sind. Von Smartphones und Digital Signage Screens über Billboards bis hin zu digitalen Preisschildern, all diese IoT-Devices können über Servertechnologie miteinander kommunizieren. Ein modernes Geschäft verfügt heute oft schon über sehr viele Displays, beispielsweise um über Digital Signage aktuelle Werbung oder Aktionsware anzubieten. Hinzu kommen nun die digitalen Preisschilder, die kleine Werbeaussagen beinhalten können und digitale Touchpoints über NFC über QR-Codes darstellen. Nicht zu vergessen die vielen Smartphones der Kunden.

D.h. im Einzelhandel reden wir nicht mehrheitlich über Internet der Dinge, sondern vor allem über ein „Internet der Displays“.

SES hat einige Referenzen im chinesischen Handel. Welche Entwicklungen sehen Sie für die Kommunikation am POS in China und was davon wird den Weg nach Europa finden?

Unmüßig: Bisher sind wir immer davon ausgegangen, dass Retail/Handel – vor allem E-Commerce – aus den USA kommt. Jeder kennt Amazon. Die wirklich digitale Evolution im Einzelhandel ist heute schon viel realer bei ganz anderen Playern wie JD.com und Alibaba zu sehen. Einige der besten Beispiele finden Sie hierzu in diesem kurzen Video, unter anderem welche Technologien es bereits erfolgreich in den Store geschafft haben und welche großes Potential in Europa haben. Generell kann man aber folgende These vertreten: Der Einzelhandel weltweit wird zunehmend neu gestaltet durch die Online-Giganten mit riesigen IT-Abteilungen und schneller digitalisiert – oder mit der neuen Vokabel „disruptiert“ – , als wir erwartet haben.

Mehr Information dazu im Video und/oder in der Präsentation, die Michael Unmüßig vor rund 70 Händeln bei unserem Themenworkshop Marketing gezeigt hat.


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