Michael Gerling

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21.04.2015

Kunden wollen selber scannen

Informationstechnologie #Self-Checkout

SB-Kassen

Quelle: fotolia

SB-Kassen: Nachfrage größer als Angebot – ein Kommentar von Michael Gerling

Im deutschen Handel werden Self-Checkout-Systeme kaum eingesetzt. An den Kunden liegt das aber nicht. Die EHI-Self-Checkout Initiative hat durch TNS Infratest eine repräsentative Studie zur Verbraucherakzeptanz von SB-Kassen durchführen lassen. Mit überraschenden Ergebnissen, die ausführlich zum kostenlosen Download auf www.self-checkout-initiative.de abrufbar sind und hier kurz kommentiert werden.

Trotz geringer Verbreitung erfreuen sich Self-Scanning-Systeme bei den Menschen in Deutschland reger Beliebtheit. 20 Prozent aller Deutschen, die älter als 14 Jahre sind, nutzen heute Self-Checkout-Systeme, jeder zweite davon häufig.

Und das Potenzial ist noch viel größer: 21 Prozent aller heutigen Nicht-Nutzer würden Self-Checkout-Systeme immer oder häufig nutzen, wenn der Handel mehr Systeme anböte und die heutigen Kinderkrankheiten beseitigte. Weitere 21 Prozent würden die SB-Kassen zumindest ausprobieren. Bei den Nutzern würde die Nutzungshäufigkeit ebenfalls deutlich steigen.

Insgesamt könnte die Zahl der aktiven Nutzer von heute 14 Mio. auf weit über 20 Mio. Menschen steigen. Vorrausetzung dafür ist allerdings die Bereitschaft des Handels, in diese Technik zu  investieren. Denn Self-Checkout nach heutigem Stand der Technik ist vor allem eine Investition in einen Service, der von einer klar definierten Kundengruppe zweifelsfrei gewünscht wird.

Die Wünsche dieser Kundengruppe sollte sich die Branche genau ansehen, denn der Kassenprozess ist immer wieder Anlass zu Klagen. Lange Wartezeiten und die fehlende Kontrolle über den Kassierprozess sind die immer wieder genannten wesentlichen Störfaktoren für die Kunden beim Checkout. Dies kann natürlich ein subjektiver Eindruck sein, aber was zählt, ist eben die Meinung des Kunden. Und diese sollten wir ernst nehmen.

Bundesweit gibt es heute über alle Branchen hinweg etwa 200 bis 250 Geschäfte mit Self-Checkout-Systemen. Etwa 1.000 Kassenplätze sind damit als SB-Stationen eingerichtet. Das sind weniger als 0,1 Prozent aller Kassenplätze im deutschen Einzelhandel.

Es grenzt fast an ein Wunder, dass es vor diesem Hintergrund überhaupt so viele Nutzer von SB-Kassen gibt. Aber es gibt eben eine große Gruppe von Menschen, die gerne SB-Kassen nutzen, und die dies bei jeder Gelegenheit auch praktizieren. Sie können den Kassierprozess nach ihrem Geschmack organisieren, sie kontrollieren die Geschwindigkeit des Kassierens und sie fühlen sich gut dabei, die Dinge im Griff zu haben.

Natürlich gibt es auch Kunden, die diese Art der Kassenorganisation nicht wünschen. Die bediente Kasse ist für sie ein Muss und es gibt auch dafür gute Gründe. SB-Kassen werden daher auch die bedienten Kassenplätze nicht ersetzen können, sondern diese nur um eine weitere Variante ergänzen. Nicht alternativ, sondern additiv heißt also das Motto bei den Self-Checkout-Systemen.

Im internationalen Vergleich dürfte Deutschland im Hinblick auf das Angebot von SB-Kassen noch auf den hinteren Rängen zu finden sein. Aber der Markt ist in Bewegung geraten. Ikea hat gezeigt, dass SB-Kassen auch hierzulande flächendeckende Akzeptanz finden. Andere Händler in Deutschland werden ihr Engagement wohl ausbauen, oft auch getrieben von Erfahrungen in internationalen Märkten.

In vielen Ländern gehört die SB-Kasse längst zum Standardangebot des Handels, zum Teil bieten die Geschäfte sogar unterschiedliche Varianten für unterschiedliche Warenkörbe an. Auch in Deutschland sollten wir unseren Kunden die ausgereiften technischen Lösungen nicht länger vorenthalten. Der Bedarf ist da, Zeit zum Handeln. Mehr zum Thema Self-Checkout.


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