Ute Holtmann

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28.09.2017

Mensch und Maschine

Informationstechnologie Logistik Marketing #Künstliche Intelligenz #Robotik

Roboter Budgee folgt mit seinem integrierten Einkaufswagen Kunden durch die Gänge bei Walmart und trägt ihnen die Waren zur Kasse. Sein Kollege Pepper bei Saturn besticht eher mit seinen niedlichen großen Kulleraugen, kann aber auch nützlich sein und führt die Kunden zum gesuchten Produkt. Der Großteil dieser immer gleich leistungsstarken, durchweg geduldigen und niemals kranken oder urlaubsreifen Kollegen im Handel arbeitet allerdings nicht auf der Fläche. Ihre Aufgabenbereiche liegen in der Logistik. Sie kommissionieren und palettieren, können aber auch komplexere Aufgaben lösen. Die technologischen Fortschritte haben Roboter anpassungsfähig gemacht. Sie verfügen über künstliche Intelligenz (KI). Und das macht sie flexibel – ein unschätzbarer Vorteil im Vergleich zu deren Vorstufe, landläufig als Automatisierung bezeichnet.

Prof. Michael Feindt, Blue Yonder (Foto: EHI / Schulten)

Prof. Michael Feindt, Blue Yonder (Foto: EHI / Schulten)

Unschlagbar schlau

Prof. Michael Feindt von Blue Yonder geht in seiner Analyse bei der EHI Robotics4Retail Konferenz in Köln noch deutlich weiter: „In Sachen Intelligenz stecken uns die Roboter schon längst in die Tasche.“ Künstliche Intelligenz (KI = Roboter) ist zuverlässiger als die menschliche. Denn der Mensch nutzt häufig das viel zitierte Bauchgefühl und trifft seine Entscheidungen vorwiegend emotional und intuitiv. Davon ist der Roboter völlig unabhängig. Zudem kann er in seiner Entscheidungsfindung nahezu unzählige Einflussfaktoren berücksichtigen und auch deren Wechselbeziehungen mit einbeziehen. Das macht ihn in vielen Bereichen deutlich effizienter als den Menschen.

Im Handel ist er unschlagbar, wenn es um Entscheidungen bei sich häufig wiederholenden Prozessen wie Nachbestellungen oder Preissetzung geht. Geht man von rund 40.000 Artikeln in ungefähr 1.000 Supermärkten täglich aus, sind das 40 Mio. Entscheidungen, die durch künstliche Intelligenz schneller und akkurater getroffen werden als von einem Menschen, rechnet Prof. Feindt vor und fügt ein Fallbeispiel an. In einem Supermarkt gab es einen Anteil von 7,5 Prozent an Fehlartikeln. Zunächst wurde KI eingesetzt, deren Empfehlungen aber von einem menschlichen Disponenten korrigiert. Die Fehlartikelquote sank auf 5 Prozent. Danach wurde auf die Korrekturphase durch den Menschen verzichtet. Das überraschende Ergebnis war eine 0,5 prozentige Fehlquote. Kognitives Vorurteil nennt sich das Phänomen, das den Menschen so fehlbar macht: Er tendiert dazu, Urteile durch Gefühl zu korrigieren. KI-Entscheidungen sind vorurteilsfrei und daher meist korrekter.

Ein Vorteil von KI ist, dass sie quasi selbst lernen und damit so etwas wie Erfahrung einbeziehen kann. Das wird sie schon ganz bald in die Lage versetzen, meint der Professor, nicht nur Ware zeitgerecht nachbestellen oder Preise setzen zu können, vielmehr sollen die künstlichen Kollegen z. B. auch den richtigen Zeitpunkt für eine Promotion setzen können.

Deutschen Händlern empfiehlt der Experte, mit neuen Technologien nicht so zögerlich umzugehen und auch mal etwas zu wagen. Denn Unternehmen wie Amazon oder auch Google nutzen KI schon längst und haben jetzt schon einen großen Vorsprung.

Mehr Informationen zum Thema Robotik finden Sie auf unserer Website www.robotics4retail.de


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