Michael Gerling

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16.12.2021

Pandemie meistern, Klima schützen

Alle Themen #Klimaschutz

Ich möchte mich bei allen Mitarbeitenden im Einzelhandel von ganzem Herzen bedanken. Und ich tue das im Namen aller Kolleginnen und Kollegen der EHI-Gruppe und sicherlich stellvertretend für viele andere Menschen in unserem Land. Dieser Dank gilt ausdrücklich auch allen Lieferanten, den Ladenbauern, den Technologiedienstleistern, den Logistikern und all den anderen fleißigen Menschen, die in den vergangenen zwei Jahren so viel geleistet haben, damit in unserem Land alle bestens versorgt sind. Ihr habt so viel durchgemacht. Komplette Kurzarbeit, Aufbau neuer Geschäftsmodelle, der Wechsel vom Laden zu digitalem Verkaufen in vielen Facetten und Arbeiten bis zum Umfallen, alles war dabei. Aber Ihr habt es hinbekommen. Unsere Branche hat Ihren Job gemacht, und zwar verdammt gut. Danke!

Mehr als 20 Monate sind seit dem ersten Lockdown der Geschäfte vergangen. Eine Zeit höchster Belastungen für die Menschen im der Handelsbranche, und sie haben geliefert. Tag für Tag. Es hat an nichts gefehlt. Kein Mangel. Kein Verzicht. Die Macher:innen im Handel haben schier Unmögliches möglich gemacht.

Heute ist der 16. Dezember 2021. Auf den Tag genau vor einem Jahr mussten große Teile des Einzelhandels in Deutschland in den zweiten Lockdown gehen und ihre Geschäfte für die Kunden komplett schließen. Kaum jemand hatte gedacht, dass diese Schließungsphase bis in den März des Folgejahres andauern könnte, bis zur völligen Aufhebung der Beschränkungen sogar bis in den Mai.

Die Branche hat die schwerste Krise der Nachkriegszeit gemeistert, und zwar mit Bravour. Große Teile der Branche waren 6 Monate lang komplett geschlossen, andere Teile mussten die komplette Wucht einer Nachfrageexplosion bewältigen. Das Konsumverhalten der Menschen hat sich über Nacht geändert, gewohnte Kundenströme sind eingebrochen, Grenzen wurden geschlossen, die perfekt synchronisierte internationale Logistik ist vollkommen aus dem Takt geraten und ständig neue und von Standort zu Standort unterschiedliche rechtliche Vorschriften mussten teilweise vom einen auf den anderem Tag umgesetzt werden. Und immer war die Branche verkaufsbereit.

Das alles hat aber auch seine Schattenseiten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten eine ausgesprochen herausfordernde Zeit. Ihnen wurde vieles abverlangt, für manche zu viel. Und so steht die gesamte Branche nun vor der Aufgabe, geeignete Menschen zu finden, die das Geschäft auch morgen verantwortungsvoll und mit Freude betreiben werden.

Vor allem in den Märkten und in der Logistik haben wir bereits einen massiven Personalmangel und der Wettbewerb um die Talente hat ein enormes Ausmaß erreicht. Die Unternehmerinnen und Unternehmer werden in Zukunft viel mehr Zeit darauf verwenden müssen, Menschen für die Arbeit in ihren Märkten zu begeistern.

Herausfordernd ist auch die Planung des kommenden Jahres. Wenn die Normalität wieder zurückkehrt, wird es für den Lebensmittelhandel schwer sein, das Umsatzniveau der Pandemiezeit zu halten. Vielleicht wird dies, getrieben durch höhere Preise, in den Umsätzen zu einem Teil darstellbar sein, aber das Absatzvolumen muss wohl deutlich nach unten korrigiert werden, wenn Restaurants und Kantinen wieder ganzjährig geöffnet sind und die Reiselust ins Ausland wieder das Niveau von 2019 erreichen wird.

Nicht weniger herausfordernd ist die Planung für die von Schließungen betroffenen Branchen. Auch, wenn es viele Signale gibt, dass die Schließung von Geschäften nicht mehr angeordnet werden wird. Ausschließen kann das niemand. Und: Werden die Frequenzen in die Städte zurückkehren? Sollen bestehende Mietverträge für Ladengeschäfte überhaupt verlängert werden? Sind die Verkaufsflächen zu groß geworden? Werden die Bezugsquellen für die Waren im Nonfood-Handel dauerhaft verändert werden müssen, weil bestimmte Beschaffungsmärkte durch die explodierenden Logistikkosten an Attraktivität verlieren? Die Unsicherheit ist groß, Festlegungen nahezu unmöglich.

Vor allem aber wird es um die Frage gehen, in welchem Umfang der Online-Handel sein Wachstumstempo aus der Pandemiezeit beibehalten kann oder ob sich das Wachstum der Versender wie zuletzt in 2017 wieder verlangsamt. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz der 1.000 größten Online-Shops in Deutschland um satte 33 Prozent zu. Das wird in 2021 nicht zu halten sein, aber auch der stationäre Umsatz wird insgesamt in diesem Jahr bei weitem nicht an das Jahr 2020 anknüpfen können. Der Online-Marktanteil wird wohl weiter deutlich wachsen.

Die gute Nachricht: Die Einzelhändler mit stationärer DNA haben es geschafft, Ihren Weg zu Omnichannel-Anbietern rasant zu beschleunigen. Beeindruckend, welche Umsatzanteile inzwischen von noch vor wenigen Jahren rein stationären Anbietern heute erzielt werden. Und das gilt nicht nur für die ganz Großen der Branche, die ständig mit ihren rasant wachsenden Online-Umsätzen in der Presse erscheinen. Dank der boomenden Marktplätze gibt es auch für die kleinen Unternehmen der Branche gute Möglichkeiten, sich im Web erfolgreich zu platzieren.

Es ist ja schon seit Jahren klar, dass es in Zukunft nicht um Online-Shop oder Geschäft geht, sondern um Online-Shop und Geschäft. Auch die Händler mit einer reinen Online-Vergangenheit haben das längst in Angriff genommen und eröffnen zunehmend stationäre Standorte.

Viele Themen sind also erkannt und auf einem guten Weg. Bravo, Einzelhandel. Gut gemacht! Jetzt müssen wir uns verstärkt ums Klima kümmern. Und auch da wird der Handel seinen Job wieder gut machen. Schon seit Jahren investiert unsere Branche in Energie-Einsparungen durch moderne Beleuchtungs- und Kühlsysteme. Eine effiziente Logistik zählt zu den Kernkompetenzen im Handel. Klimafreundliches Bauen findet immer mehr Anklang. Der Handel wird eine große Bedeutung beim Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität haben. Natürlich werden auch die Sortimente immer stärker nach Klimaschutzkriterien ausgesucht, und auch die Reduzierung von Plastik wird wesentlich vom Handel getrieben.

Es gibt also viel zu tun. Die Pandemie wird bald unter Kontrolle sein. Dann rücken die anderen Themen wieder stärker in den Vordergrund. Personal, Omnichannel, Digitalisierung und natürlich der Klimaschutz. Es gibt viel zu tun. Darauf freuen wir uns. Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen unserer Branche können und werden wir viel bewegen. Gemeinsam besser handeln, seit Jahren unser Slogan.

Michael Gerling
Dezember 2021


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