Vanessa Tuncer

Projektleiterin Forschungsbereich PersonalTel:+49 221 57993-704
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14.01.2021

Personal im Handel: Flexibel & agil

Alle Themen Informationstechnologie Personal im Einzelhandel #Corona #Fachkräfte #HR #Lockdown

Wir haben unsere Expertinnen für Personal im Handel, Vanessa Tuncer und Ulrike Witt, gefragt, welche Entwicklungen sich im Bereich Handelspersonal im vergangenen Jahr hervorgetan haben und wie es in diesem Jahr weitergeht.

Welchen Einfluss hatte Corona auf die Personalsituation und -planung?

Tuncer/Witt: Die Personalsituation im Handel zeigt sich angesichts der Krise je nach Unternehmen unterschiedlich, das betrifft vor allem die Filialen. Die einen mussten aufgrund der Ladenschließungen im ersten und auch jetzt im aktuellen Lockdown Kurzarbeit anmelden. Kündigungen aufgrund von Corona gab es zwar im Jahr 2020 eher wenige – ob das angesichts der anhaltenden Pandemie auch für 2021 gelten wird, bleibt aber abzuwarten. Die anderen Händler, die sogenannten systemrelevanten, hatten und haben zeitweise einen erhöhten Bedarf, um dem Andrang gerecht zu werden. Im Großen und Ganzen konnten sie das gut managen, zum Beispiel durch pragmatische Lösungen wie Kooperationen mit im Lockdown geschlossenen Unternehmen oder Zeitarbeitsfirmen. Teilweise wurden vorübergehend auch Studierende oder Personal aus der Zentrale als Aushilfe eingesetzt. Viele Händler haben die Personaleinsatzpläne in den Filialen angepasst, um flexibler auf den Bedarf reagieren zu können und Ausfälle durch Quarantäne zu minimieren. Zum Beispiel wurden Öffnungszeiten dem veränderten Kaufverhalten angepasst oder Schichten mit Kohorten von festen Teams besetzt. In fast allen Handelsunternehmen gab es unterdessen Quarantänefälle, es mussten aber nur sehr wenige Filialen kurzzeitig geschlossen werden.

In den Zentralen war eine der großen Herausforderungen, sehr schnell Remote Work für die meisten Mitarbeitenden umzusetzen. Manche haben bereits vor der Pandemie mobiles Arbeiten möglich gemacht, das war in der Krisensituation natürlich ein Vorteil. Auch ging die Umstellung umso leichter, je stärker interne Prozesse bereits digitalisiert waren. Die Digitalisierung stand sowieso auf der Agenda, die Krise hat dem Ganzen einen deutlichen Schub gegeben. Insgesamt waren und sind die HR-Abteilungen ziemlich stark gefordert: Sie müssen ad hoc immer wieder neue gesetzliche Regeln und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz umsetzen, gleichzeitig die Prozesse am Laufen halten und obendrein die Ängste und Bedürfnisse der Mitarbeitenden nicht aus den Augen verlieren. Gute Kommunikation ist da noch wichtiger als sonst, auch wenn sie aufgrund der Krise größtenteils digital abläuft. Wir wissen von den Personalverantwortlichen, dass sie für ihr Krisenmanagement insgesamt gute Noten von den Mitarbeitenden bekommen.

Wie planen die Personalverantwortlichen des Handels für 2021? Gibt es Veränderungen hinsichtlich Budgetplanung, beim Recruiting (insb. Fachkräfte), bei der Digitalisierung der Abläufe?

Tuncer/Witt: Digitalisierung bleibt ein Megatrend, der durch die Krise zusätzlich gepusht wurde. Corona hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Flexibilität und Agilität sind. Viele der während der Pandemie veränderten Strukturen, etwa durch Remote Work, werden zumindest teilweise bleiben. Arbeitsprozesse müssen deshalb weiter digitalisiert werden. Dazu braucht es zum Teil neue Software, in die nächstes Jahr von vielen Personalverantwortlichen investiert werden wird. Das führt auch zu höheren Anforderungen an die Mitarbeitenden und zu einem erhöhten Schulungsbedarf. In die Förderung und Entwicklung von Personal wird deshalb ein großer Teil des Budgets 2021 fließen.

Nach wie vor werden Fachkräfte für die Fläche gesucht, allerdings hat hier die Anzahl der Bewerbungen aufgrund der Krise deutlich zugenommen. Ob das die Situation im nächsten Jahr entspannen wird, bleibt abzuwarten. Recruiting ist in jedem Fall auch 2021 ein wichtiges Thema, denn gut gebildetes Fachpersonal für die Filialen und Experten, die die digitale Transformation vorantreiben, bleiben rar gesät. Und die Anforderungen an das Personal werden vor allem in Bezug auf den Umgang mit digitalen Tools immer höher. Investiert wird deshalb auch in Employer Branding, um Talente für das Unternehmen zu gewinnen und aufzubauen. Im Fokus haben manche Händler zudem das Thema Nachfolgemanagement. Gemeint ist hier der zu erwartende Generationenwechsel in den nächsten Jahren, wenn die „Babyboomer“ in Rente gehen und es rein zahlenmäßig nicht ausreichend junge Menschen gibt, um die Lücken zu füllen. Hier muss rechtzeitig nach Lösungen gesucht werden.
Im Herbst 2020 haben wir für unsere Studie „Personal im Handel 2020/21 ─ Corona-Impact, Trends & Investitionen“ ausführliche Interviews mit den Personalverantwortlichen der Branche geführt. Dabei ging es sowohl um die konkreten Auswirkungen von Corona als auch um die zukünftigen Entwicklungen in der Handels-HR. Die Ergebnisse stellen wir am 21. Januar 2021 im Rahmen einer EHI-Session vor und diskutieren sie mit Experten von Atoss, Workday und cadooz.