Ulrike Witt

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15.05.2017

Preise auf Knopfdruck

Alle Themen Informationstechnologie #Bluetooth #ESL #NFC #Preisschilder

EHI-IT-Experte Cetin Acar

EHI-IT-Experte Cetin Acar

In Deutschland ist bisher nur eine kleine vierstellige Zahl von Geschäften mit digitalen Preisschildern ausgestattet. Wenn man bedenkt, dass es insgesamt etwa 550.000 Betriebe gibt – davon alleine rund 62.000 im Lebensmittelhandel – ist das nicht sehr viel.

Gut für Händler und Kunde

Die sogenannten Electronic Shelf Labels (ESL) bieten dem Einzelhändler die Möglichkeit, Preise schnell, zeitnah und vollständig anzupassen. Dies ist für Händler und für Kunden ein Vorteil. Ein Beispiel aus dem Alltag: Bei Obst und Gemüse ändern sich häufig die Etiketten, weil die Preise (abhängig vom Ernteerfolg) und die Sortimentszusammensetzung (saisonale Produkte) sehr variieren. Der Etikettenwechsel kann vom Händler digital mit minimalem Aufwand durchgeführt werden und die Preise an der Ware stimmen automatisch mit dem an der Kasse überein. Ein weiterer Pluspunkt sind Preisreduktionen auf Knopfdruck, wenn z.B. vor dem nahenden Sonntag die frischen Produkte abverkauft werden sollen. Davon profitieren der Kunde und die Umwelt, denn so werden weniger Lebensmittel weggeschmissen. Noch ein Beispiel: Ein wichtiger Aspekt von Omnichannel-Strategien ist es, dem Verbraucher ein stimmiges Einkaufserlebnis zu bieten. Im Idealfall stimmen die Preise in den Läden mit den Onlinepreisen überein. Dank ESL kann der stationäre Händler direkt  auf Preisänderungen im Netz reagieren.

Aber nicht nur die Preisgestaltung ist interessant. Man könnte auch weiterführende Informationen wie Rezeptideen oder Kundenbewertungen auf verschiedenen durchblätterbaren “Seiten“ eines ELS darstellen. Zudem sind viele der digitalen Preisschilder bereits mit Bluetooth und NFC-Technologie ausgestattet, wodurch eine direkte Interaktion mit dem Kundensmartphone möglich wäre, um ihm ein individuelles Angebot zu machen. Bereits heute kann man die ESL als Orientierungshilfe für den Verbraucher nutzen. Wenn ein Kunde z.B. eine bestimmte Druckerpatrone benötigt, scannt er die leere Kartusche am Regal ein bzw. lässt sie durch Kameras erkennen. LED-Leuchten an den elektronischen Regaletiketten zeigen dann diejenigen Patronen an, die kompatibel mit dem eigenen Drucker sind. In anderen Ländern wird dieses System z.B. auch als Packhilfe für die Mitarbeiter genutzt, die den Onlineeinkauf der Kunden im Laden zusammenstellen (Pick by Light).

 

ESL im Einsatz (Foto: EHI)

ESL im Einsatz (Foto: EHI)

Tankstellenpreise eher unwahrscheinlich

Verbraucherschützer warnen davor, dass mit digitalen Preisschildern im Supermarkt bald Zustände wie an der Tankstelle herrschen könnten. Also, dass Bier und Chips kurz vor dem Anpfiff teurer werden oder das Grillfleisch, wenn für das Wochenende schönes Wetter gemeldet wird. Das ist aufgrund der starken Konkurrenzsituation auf dem deutschen Markt eher unwahrscheinlich.  Preisänderungen während der Geschäftsöffnung gehen aktuell nur nach unten. Das macht auch Sinn. Wenn das Produkt an der Kasse günstiger ist als vorher ausgewiesen, wird sich natürlich kein Kunde beschweren. Aber sollte der Preis auf dem Weg zur Kasse steigen, steigt mutmaßlich auch der Unmut.

Letztlich ist der an den Regalen ausgezeichnete Preis immer nur eine sogenannte Invitatio ad offerendum, also ein unverbindliches Angebot. Der eigentliche Kaufvertrag kommt erst an der Kasse zustande. Deshalb ist sogar eher ein traditionelles, nicht elektronisches Preisschild fehlerhaft: wenn z.B. das Angebot der Vorwoche ausgelaufen ist und das Etikett vergessen wurde auszutauschen. Der Kunde wird an der Kasse dann gebeten, den regulären Preis zu zahlen. Ist er mit dem höheren Preis nicht einverstanden, wird er ihn nicht bezahlen und das Produkt zurücklegen. Solche Situationen wird ein Händler aber sicher vermeiden wollen, wenn ihm die Zufriedenheit seiner Kunden am Herz liegt.

 

Köln, im Mai 2017
IT-Experte Cetin Acar, EHI


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