Ute Holtmann

Leiterin Public RelationsTel:+49 221 57993-42
E-Mail:holtmann@ehi.org Kontaktformular
15.02.2018

Endstation Retourenlager

E-Commerce Logistik #Onlinehandel #Retouren #Versand

EHI-Studie zu Versand- und Retouren im E-Commerce /

Gut findet sie niemand, vermeiden können sie die Wenigsten – Retouren belasten den Onlinehandel je nach Branche unterschiedlich schwer. Obwohl die Händler mitunter großen Aufwand betreiben, schafft es ein nicht unerheblicher Teil der zurückgesandten Artikel gar nicht wieder in den Verkauf. Allein die Kosten für die Bearbeitung einer Retoure sind mit durchschnittlich 10 Euro hoch. Ein weiteres wichtiges Thema der EHI-Studie Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2018 ist das immer schnellere Liefertempo.

Retouren: Aufbereiten, Verkaufen oder Entsorgen

Im Durchschnitt können rund 70 Prozent der retournierten Artikel als A-Ware für den Kundenversand weiterverwendet werden. Dabei reicht die Spanne der wieder verkaufbaren Produkte von alle bis gar keine, was mit den großen Unterschieden in einzelnen Branchen zu erklären ist. Knapp über die Hälfte der Befragten (51 Prozent) kann 80 oder mehr Prozent der retournierten Artikel als A-Ware wiederverkaufen. Nur wenige Händler (9 Prozent) können gar keine oder nur vereinzelte Artikel wiederverkaufen.

Als Grund, retournierte Artikel nicht wieder in den Verkauf zu bringen, geben fast zwei Drittel (64 Prozent) an, die jeweiligen Artikel seien qualitativ so sehr beeinträchtigt, dass die Aufbereitung nicht möglich oder zu aufwendig wäre. Da manche Händler bei bestimmten Artikeln ganz auf die Neuvermarktung verzichten, bittet konsequenterweise fast ein Drittel (32 Prozent) der Händler seine Kunden teilweise sogar, einzelne Artikel gar nicht zurückzusenden. Denn eine Rücksendung von Artikeln, die ohnehin nicht aufbereitet und wiedervermarktet werden können, würde unnötige Kosten verursachen. Diese pragmatische Handhabung ist in sämtlichen untersuchten Produktsegmenten von rund 25 bis zu rund 33 Prozent vertreten.

Kostentreiber Nummer eins bei Retouren sind die aufwendige Prüfung, Sichtung und Qualitätskontrolle der Artikel. Kleidung beispielsweise muss auf Gebrauchsspuren untersucht werden, Elektrogeräte auf Funktionalität. An zweiter Stelle rangiert die Identifikation der Ware, wenn der Händler feststellen muss, ob die Artikel mit der Retourenanmeldung übereinstimmen. Außerdem entstehen nicht unerhebliche Porto- und Versandkosten, die 72 Prozent der Händler für ihre Kunden übernehmen.

Aus der EHI-Studie "Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2018"

Aus der EHI-Studie “Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2018”

Retourenquote: im Durchschnitt moderat, im Einzelfall extrem

Insgesamt ist die durchschnittliche Retourenquote zwar eher moderat, in einzelnen Branchen aber gravierend. Bei mehr als der Hälfte (57 Prozent) der befragten Händler liegt die Retourenquote bei 10 Prozent oder niedriger, bei 12 Prozent sogar bei null oder fast null. Die niedrigen Retourenquoten gibt es vorwiegend im Bereich Lebensmittel. 42 Prozent der befragten Onlinehändler weisen hingegen eine Retourenquote auf, die über 10 Prozent liegt. Eine Retourenquote von über 40 Prozent ist bei 19 Prozent der Befragten zu finden. Eine Retourenquote von über 50 Prozent müssen 6 Prozent der befragten Onlinehändler bewältigen. Händler mit höheren Retourenquoten von über 60 Prozent, über 50 Prozent und auch ein großer Anteil derjenigen mit Retourenquoten von über 40 Prozent kommen hauptsächlich aus dem Bereich Fashion und Accessoires.

Lieferung: immer schneller für die Kunden

Die Bedeutung schneller Lieferzeiten nimmt weiterhin deutlich zu. 61 Prozent der befragten Onlinehändler können ihre Kunden innerhalb von 24 Stunden oder schneller beliefern. 7 Prozent bieten als schnellstmögliche Variante eine Belieferung noch am Tag der Bestellung und 4 Prozent innerhalb von 1 bis 2 Stunden. Die Hälfte der Befragten kann innerhalb von 24 Stunden liefern. Der Anteil dieser hat sich im Vergleich zu den Vorjahren leicht erhöht. Ein Vergleich der aktuell schnellstmöglichen Lieferzeiten mit den für die nächsten 3 Jahre geplanten zeigt deutlich die Zuwächse. 40 Prozent der Befragten planen, in naher Zukunft noch am Tag der Bestellung zu liefern, und 9 Prozent innerhalb von 1 bis 2 Stunden.

Die Gründe, warum mehr als die Hälfte der befragten Händler auf Liefergeschwindigkeiten innerhalb von 24 Stunden oder schneller setzt, liegen vor allem darin, die Erwartungen und Wünsche der Kunden zu erfüllen und ihnen einen besonders guten Service zu bieten, damit sie zufrieden sind und wieder im Onlineshop kaufen. Um im Wettbewerb zu bestehen, streben manche der Onlinehändler gezielt eine Innovationsführerschaft an. Zusätzlich ist es für einige Befragte ein erklärtes Ziel, durch schnelle Lieferzeiten Retouren zu vermeiden.

Aus der EHI-Studie "Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2018"

Aus der EHI-Studie “Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2018”

Die vollständige Studie „Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2018“ ist im EHI-Shop erhältlich. Mitglieder erhalten die Studie kostenlos.

 

Datenbasis

105 namhafte Onlinehändler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden zu deren Anforderungen und Trends im Versand- und Retourengeschäft befragt. Der Großteil der befragten Händler hat seinen Hauptsitz in Deutschland. Die Erhebung wurde als Online-Befragung von September bis Oktober 2017 durchgeführt. Die befragten Händler erwirtschafteten zusammen einen Gesamtumsatz in Höhe von ca. 10,6 Mrd. Euro. Eine Betrachtung der Vertriebskanäle zeigt, dass fast alle (99 Prozent) der befragten Händler einen eigenen Onlineshop betreiben. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) vertreibt Produkte über einen Online-Marktplatz, wie Amazon oder Ebay, und 22 Prozent über den klassischen Versandhandel. Drei Viertel (73 Prozent) der Befragten sind als Multi-/ Cross-/Omnichannel-Händler sowohl online als auch stationär aktiv.

Grafiken für Journalisten im Download 

 


Kontakt
Hilka Bergmann, EHI, Leiterin Forschungsbereich Verpackung, Tel.: 0221/57993-871, bergmann@ehi.org
Ute Holtmann, Leiterin Public Relations, EHI, Tel.: +49 (0)2 21/5 79 93-42, holtmann@ehi.org

Herausgeber
EHI Retail Institute e. V., Spichernstraße 55, 50672 Köln, www.ehi.org
Tel.: +49 (0)2 21/5 79 93-0

Über das EHI:
Das EHI Retail Institute ist ein Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner mit rund 80 Mitarbeitern. Sein internationales Netzwerk umfasst rund 800 Mitgliedsunternehmen aus Handel, Konsum- und Investitionsgüterindustrie sowie Dienstleister. Das EHI erhebt wichtige Kennzahlen für den stationären und den Onlinehandel, ermittelt Trends und erarbeitet Lösungen. Das Unternehmen wurde 1951 gegründet. Präsident ist Götz W. Werner, Geschäftsführer ist Michael Gerling. Die GS1 Germany ist eine Tochtergesellschaft des EHI und des Markenverbandes und koordiniert die Vergabe der Global Trading Item Number (GTIN, ehem. EAN) in Deutschland. In Kooperation mit dem EHI veranstaltet die Messe Düsseldorf die EuroShop, die weltweit führende Investitionsgütermesse für den Handel, die EuroCIS, wo neueste Produkte, Lösungen und Trends der IT- und Sicherheitstechnik vorgestellt werden sowie die C-star für den asiatischen Handel in Shanghai.


Ähnliche Meldungen

31.08.2018 Auf dem schnellsten Weg

Bis zu 3.000 Getränke-Bestellungen bringt das Münsteraner Start-up Flaschenpost pro Tag zu seinen Kunden – und das garantiert innerhalb von 120 Minuten. Wie kann das funktionieren? Das

12.07.2018 Same-Day in China

Dichter Verkehr ist in Chinas Großstädten normal. Dennoch finden die Chinesen stets Wege, um schnell zu liefern – sogar Same-Day ist kein Problem. Auf der C-star 2018 erklärt Prof. Dr. Helmut

05.07.2018 Metro macht Multichannel

Metro überrascht nach seiner Modernisierung mit einem neuen Marktkonzept in Düsseldorf, das insbesondere Kunden aus der Gastronomie alles bieten soll, was sie brauchen – und zwar auf allen

28.06.2018 Schlüssel im Smartphone

Sein Paket erhalten, ohne zu Hause zu sein – für Amazon-Kunden in den USA ist das bereits Realität. Ein smartes Türschloss entriegelt die Tür aus der Ferne. Auch für den Handel birgt die

29.03.2018 Wenn Rewe zweimal klingelt

Seit sieben Jahren kommt Rewe bis an die Haustür seiner Kunden und erreicht mit seinem Lieferservice mittlerweile 40 Prozent der deutschen Haushalte. Dabei ist eine gut funktionierende Supply

27.03.2018 Deutsche Drogerie für China

Since about one year the biggest German drugstore chain is selling its products on Tmall. The experiences are encouraging. Chinese customers love promotions, says Christoph Werner, Marketing &

08.03.2018 Wandelbar und kundenorientiert

Interview mit Lennart Kirstein, Supply Chain-Manager Otto / Aktuell ist Flexibilität in der Handelslogistik gefordert. Auch die Otto Group hat sich auf dem Weg vom Versandhändler zum

16.02.2018 Flinker Versand

Gerade den Kaufen-Button im Onlineshop gedrückt und schon klingelt der Paketbote. Ganz so schnell läuft es nicht, aber viele Onlinehändler können ihre Ware bereits binnen 24 Stunden liefern.

11.01.2018 Erfahrungen in China

Interview with Jeroen de Groot, CEO of Metro Cash & Carry China / Metro Cash & Carry entered the Chinese market in 1996 and now runs 90 stores all over the country. The food wholesale

04.01.2018 Handelsagenda 2018

Herzlich willkommen im Jahr 2018. Wir wünschen Ihnen, dass es ein gutes Jahr wird. Ein Jahr mit vielen Veränderungen. Ein Jahr mit vielen spannenden Projekten. Ein Jahr mit guten Geschäften. Vor

14.12.2017 PIM(p) your process

Produktdaten müssen vollständig, valide und in digitaler Form bereitstehen, damit Händler ihre Kunden schnell und umfassend informieren, die Logistikprozesse optimieren und den administrativen

07.12.2017 Hallo, Professor Roboter!

Automatisierungs- und Robotik-Lösungen werden für den Handel immer wichtiger. Das zeigt unser kostenloses Whitepaper Robotics4Retail. Prof. Handke von der Uni Marburg setzt humanoide Roboter

15.11.2017 Pünktliche Päckchen

Weihnachten ist das Fest der Freude - und der Geschenke! Für den Handel bringt diese umsatzstarke Zeit aber auch einige Herausforderungen mit sich. Denn besonders junge Kunden zählen zu den

29.09.2017 Umweltfreundlich unterwegs

Elektromobilität nimmt auf europäischen Straßen immer mehr Fahrt auf und der Handel fährt mit. Die Coop Schweiz macht es vor und hat ihren ersten 34-Tonnen-Wasserstoff-Lkw auf die Straße

28.09.2017 Mensch und Maschine

Roboter Budgee folgt mit seinem integrierten Einkaufswagen Kunden durch die Gänge bei Walmart und trägt ihnen die Waren zur Kasse. Sein Kollege Pepper bei Saturn besticht eher mit seinen niedlichen