Sven Althaus

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17.10.2019

Schwierige Suche

Alle Themen Personal im Einzelhandel #Fachkräftemangel #Human Resource

Neuer Metro Personal Chef im Interview /

Metro Deutschland hat einen neuen Arbeitsdirektor und Geschäftsführer Personal: Seit dem 1. Oktober 2019 ist Volker Schlinge verantwortlich für rund 14.000 Mitarbeiter der Metro.

Volker Schlinge, Arbeitsdirektor und Geschäftsführer Personal bei Metro Deutschland (Foto: Metro)

Volker Schlinge, Arbeitsdirektor und Geschäftsführer Personal bei Metro Deutschland (Foto: Metro)

HR im Handel steht vor großen Herausforderungen, sowohl für die Fläche als auch für die Handelszentralen gestaltet sich die Suche nach Fach- und Führungskräften schwierig.

 

Herr Schlinge, in welchen Bereichen macht sich der Fach- und Führungskräftemangel bei Metro besonders bemerkbar?

Schlinge: Wir sehen, dass die Suche nach Fachkräften für einige Branchen eine immer größere Herausforderung ist. Dabei spreche ich nicht nur über die Herausforderungen, qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Metro zu finden. Auch unsere Kunden, insbesondere Gastronomie und Hotellerie-Betriebe, haben große Probleme, gut ausgebildetes Fachpersonal, wie Köche, Service-Kräfte oder Manager, zu finden. Die Gastronomie ist mit langen Arbeitstagen und unplanbaren Arbeitszeiten nicht so attraktiv für die junge Generation. Zudem eilt ihr immer noch der Ruf eines rauen Umgangstons voraus. Hier haben wir –  Metro Deutschland als Partner der Gastronomie –  die Möglichkeit, unsere Kunden zu unterstützen. Beispielsweise bieten wir über die Online-Plattform DISH diverse digitale Lösungen für zielgerichtetes Recruiting oder um effiziente Personalplanung im eigenen Betrieb zu führen. Letzteres macht den Arbeitsplatz attraktiver, weil sich die Mitarbeiter des Betriebs auf feste und individuellere Arbeitszeiten verlassen können. Zudem gehen wir mit Premium-Mis-an-Place-Lösungen ganz neue Wege, um dem Gastronom die Arbeit mit ungelernten Teams zu erleichtern und so interessierten aber wenig erfahrenen Kräften einen einfacheren Zugang in die Branche zu ermöglichen.

Zusammengefasst: der Fachkräftemangel unserer Kunden ist auch für uns eine Thema. Wir unterstützen, sind z. B. im Dialog mit Landes- und Bundespolitik, um beispielsweise behördliche Regulierungen zu reduzieren; bieten Plattformen zum Austausch mit digitalen Personalplanungs-Tools – Frag Paul über DISH – haben Lösungen, um Personalmangel und fehlende Personalqualifikation zu überbrücken, mit Gourvenience, Petagast und Co.

Für Metro selbst aktivieren wir natürlich auch viele Kanäle, um unsere Teams zu ergänzen. Fachkräfte, beispielsweise für ultrafrische Waren-Bereiche, die die Bedürfnisse unserer Kunden verstehen und Leidenschaft für Ware haben, sind tatsächlich nicht an jeder Ecke zu finden. Auch Fahrer für unsere Logistik suchen wir immer. Denn wir brauchen nicht nur jemanden, der das Fahrzeug von A nach B steuert, sondern wir suchen Menschen, die gerne mit den Kunden reden, ihre Bedürfnisse kennenlernen wollen, um sie so bestens betreuen können. Nachwuchstalente haben bei Metro selbstverständlich immer tolle Chancen, sich schnell zu entwickeln und auch eine Karriere über den Fachbereich hinaus zu machen. Das vermitteln wir in lokalen Schul-Kooperationen, Zusammenarbeit mit Ausbildungs-Anbietern etc. Damit sind wir auf allen einschlägigen Job-Portalen vertreten.

Was macht die Unternehmenskultur von Metro besonders und was wird Metro unter Ihrer Führung tun, um Menschen von der Metro als Arbeitgeber zu begeistern?

Schlinge: Wir haben klare Guiding Principles, die Zusammenarbeit definieren und ein diverses und faires Arbeitsumfeld sicherstellen. Zudem kooperieren wir mit Hotelfachschulen, nehmen an Azubi-Messen teil und investieren in deutschlandweite Kooperationen mit Universitäten. Ein Beispiel ist die Unterstützung des Deutschlandstipendiums der Hochschule Rhein-Waal. Oder Abiturientenprogramme, ab 2020 auch als kombinierte Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel, Handelsfachwirt und Ausbildung der Ausbilder ausschließlich für Fach-/Abiturienten. Mit einem eigenen Talent Pool schaffen wir auch unsere eigene Nachwuchsplattform, die wir auch international erweitern. Trainee-Ausbildung und Fach-Praktika ermöglichen jungen Menschen einen ersten und umfassenden Einblick in den Beruf.

Zukünftig werden wir uns von unseren Mitarbeitern noch stärker daran messen lassen, wie glaubwürdig wir als Unternehmen sind und wie wir unsere Prinzipien leben. Und dabei geht es um mehr, als um das Abarbeiten der Ergebnisse der klassischen Mitarbeiterbefragung. Es geht um das Geben und Übernehmen von Verantwortung, Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten und das Fördern von Potenzialen mit der richtigen Einstellung. All das prägt Kultur weit mehr als z. B. die reine Fachkompetenz, die natürlich immer eine relevante Rolle spielen wird. Und das in einem modernen und komplexen Umfeld, in dem es viel mehr um die Digitalisierung einer ganzen Industrie geht, als um das reine Abwickeln von Verkaufsprozessen.

Die Digitalisierung hat die Art und Weise, wie wir arbeiten, bereits stark verändert, u.a. hin zu mehr Agilität und Flexibilität, der Grad an Automatisierung wächst und Tätigkeitsfelder verändern sich stetig. Wie hat sich hierdurch die Arbeit in der Metro-Konzern-Zentrale verändert?

Schlinge: Wir haben sehr heterogene Berufsfelder in unserem Unternehmen. Unsere Großmärkte beschäftigen vom Wein-Sommelier über den Kunden Check Out bis hin zum Geschäftsleiter viele verschiedene Berufsprofile. Im Belieferungs-Segment sind beispielsweise Logistiker und Fahrer, aber auch Kundenmanager, die zusammen arbeiten. In der Unternehmenszentrale sprechen wir zum Beispiel von Einkäufern, Controllern oder Marketing-Teams. Jedes Profil bedarf einer anderen Struktur und Technologie. Mit digitalen Lösungen, gehen wir also den Weg des Bedarfs – wo Effizienz, Kostenbewusstsein oder auch Nachhaltigkeitsaspekte eine Rolle spielen, werden neue Technologien eingesetzt. Beispielsweise arbeiten und rund 600 Kundenmanager mit einer eigens entwickelten App, die alle Funktionen und Features zusammenfasst, Datenzugang vereinheitlicht und den Austausch der Informationen maximal vereinfacht. Für unser FoodServiceDelivery-Geschäft haben wir eine für die Nutzung im B2B-Bereich maßgeschneiderte eigene Online-Shop-Lösung im Einsatz.

Wo es der Arbeitsplatz erlaubt, pflegen wir Arbeitszeit-Souveränität und bieten mobiles Arbeiten, wo möglich. Es geht grundsätzlich darum, die Menschen zu jedem Thema zusammen zu bringen, die die Fragestellung am besten bearbeiten und lösen können. Dabei sind alte Organisationsstrukturen oft nicht hilfreich und es bedarf anderer Methoden, um Arbeitsmuster zu verändern. Dabei ist die Methode aber kein Selbstzweck, sondern muss zum Problem passen.

Wo sehen Sie weitere Herausforderungen im HR Bereich und welche strategischen Ziele verfolgen Sie, damit Metro fit für die Zukunft bleibt?

Schlinge: Unsere Gesellschaft und auch die Bedürfnisse unserer Kunden verändern sich. Wo früher der Handschlag die Geschäftsgrundlage besiegelte, geht es heute um schnelle aber verbindliche Kommunikation. Unsere Kunden haben unzählige Verpflichtungen und wünschen sich einen Partner, der das wirklich versteht und Lösungen anbietet – mitdenkt. Dafür brauchen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Bedürfnisse unserer Kunden im Idealfall nicht nur verstehen, sondern kennen und Spaß daran haben, Kunden zu unterstützen. Das erreichen wir nicht, indem wir Regeln aufstellen oder Predigten halten. Wir müssen eine Unternehmenskultur schaffen, die die Basismotivation dafür schafft, Leidenschaft in den Job einzubringen und die Partnerschaft mit unseren Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Da spielen Arbeitsmethoden, die eine konstruktive Zusammenarbeit unterstützen und Möglichkeiten für einen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen, eine wichtige Rolle.

Volker Schlinge war seit Oktober 2016 bei der Metro AG als Global Director Compensation & HR Processes tätig und seit Juli 2017 ebenfalls als Geschäftsführer der Metro Services GmbH. Zuvor war Volker Schlinge unter anderem als Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor für Galeria Kaufhof tätig.

 

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