Sven Althaus

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21.01.2021

Sicherheit steigern & Stromverbrauch senken

Alle Themen Energiemanagement Ladenplanung + Einrichtung #Corona #e-Mobilität #Lockdown #Storedesign

In welcher Form hat Corona den Ladenbau im Handel 2020 geprägt? Was wird davon auch nächstes Jahr relevant sein?

Bildquelle: Andrey Popov/stock.adobe.com

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Horbert: Der Einkauf im Handel stand im letzten Jahr ganz im Zeichen von Social Distancing und Maskenpflicht. Kein Bummeln oder Erlebnis-Shopping, und damit auch keine Spontankäufe. Es geht jetzt vor allem um den geplanten Ziel- bzw. Versorgungskauf. Viele Kunden wollen sich nicht unnötig lange in den Läden aufhalten und schätzen entsprechende Sicherheitsmaßnahmen des Handels. Die Entwicklung von Schutz- und Hygienekonzepten bestimmte daher zu Beginn der Corona-Pandemie die Arbeit der Ladenplanungsabteilungen im Handel. Erste, teils abenteuerliche Konstruktionen vor allem bei den Schutzwänden für Kunden und Mitarbeiter an Kassen, Bedienungsbereichen und sonstigen Service-Theken sind inzwischen optisch ansprechenderen Lösungen als Teil des gestalterischen Gesamtkonzepts gewichen.

Man will das Beste daraus machen, gehen die meisten Händler doch davon aus, dass diese Konzepte den Handel mindestens noch bis Ende 2021 begleiten werden. Dabei setzen die meisten Händler auf möglichst variable Schutzmaßnahmen, die sich bei Bedarf auch schnell wieder entfernen lassen. Dennoch schließt man ein gestiegenes Sicherheits- und Hygienebedürfnis der Kunden auch über die Pandemie hinaus nicht aus. So zeigte eine Befragung der GfK schon im Mai 2020, dass nahezu 60 Prozent der damals befragten Verbraucher es durchaus befürworten, wenn für einen sicheren Einkauf in Lebensmittelgeschäften Schutzwände für das Kassierpersonal und Abstandsmarkierungen im Kassenbereich auch nach dem Ende der Corona-Pandemie beibehalten würden, was man sich im Lebensmittelhandel auch durchaus vorstellen kann. Offenbar zeichnen sich damit für den Food-Handel neue Standards für die Ladenplanung ab. Ohnehin zeigte sich schon vor der Krise in den letzten Jahren branchenübergreifend die Tendenz zu einer großzügigen und weitgehend offen gehaltenen Gestaltung von Verkaufsräumen und weniger Ware auf der Fläche – mithin Trends, die die Ladengestaltung schon lange vor der Corona-Pandemie geprägt haben und jetzt zu einer besseren Übersicht für die Kunden führen, so dass diese sich nicht durch andere Shopper oder zu viel Ware bedrängt fühlen.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die weiteren Planungen von Ladenbauprojekten im Handel aus?

Bildnachweis: EHI

Claudia Horbert, Leiterin Forschungsbereich Ladenplanung + Einrichtung

Horbert: Die wirtschaftlichen Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie haben zunächst überall im Handel dazu geführt, dass laufende Um- und Neubauprojekte neu bewertet und ausgerichtet wurden. Während Lebensmittel- und Drogeriemärkte jedoch nach kurzer Unterbrechung nahezu unverändert ihre Planungen für 2020 und darüber hinaus umsetzten konnten, haben die von den Schließungen betroffenen Unternehmen aus dem Nonfood-Handel, allen voran die Anbieter von Bekleidung und Schuhen, im Verlauf von 2020 Anzahl und Volumen von Ladenbauprojekten deutlich heruntergefahren oder im besten Fall auf 2021 verschoben. Ob diese Planungen weiter zu halten sind, ist angesichts des 2. Lockdowns seit Mitte Dezember und damit nahezu einem Totalausfall des Weihnachtsgeschäfts abzuwarten. Für viele dieser Händler haben sich ihre Online-Shops als wichtige Umsatzstütze erwiesen, wenn sie auch die Umsatzausfälle nur bedingt kompensieren konnten. Online-Shops am POS müssen daher noch sehr viel sichtbarer werden wird als bisher, über entsprechende Hinweise und einen weiteren Ausbau von Omnichannel-Services, allen voran Click + Collect-Angebote, die auch optisch stärker in den Vordergrund gerückt und zunehmend zu eigenen Abholbereichen weiterentwickelt werden.

Auch wenn der POS derzeit von Sicherheitsmaßnahmen und Abschottung geprägt ist, bleibt seine Bedeutung als Begegnungs- und Erlebnisstätte rund um ein auf die Zielgruppe zugeschnittenes Angebot unverändert hoch. Denn Menschen wollen sich treffen und vom Alltag abgelenkt werden. Soweit möglich, müssen Flächen(planung) und Einrichtung noch flexibler werden, nicht nur um so zwischen verschiedenen Categories wechseln zu können, sondern ebenso zwischen verschiedenen Branchen und Bereichen.

Welche sind die wichtigsten Entwicklungen im Energiemanagement des Handels mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit? Und welche Herausforderungen stehen diesbezüglich im Handel für die kommenden Jahre an?

Bildnachweis: EHI

Benjamin Chini, Projektleiter Forschungsbereich Energiemanagement

Chini: Das Energiemanagement in Einzelhandelsfilialen befindet sich in einem laufenden Optimierungsprozess. Unter den bisherigen Voraussetzungen besteht aufgrund der hohen Strompreise ein besonderer Anreiz Strom einzusparen. Die Energieeffizienz moderner Anlagentechnik etwa in den Bereichen Kältetechnik, Klimatisierung, Lüftung und Beleuchtung ist auf einem entsprechend hohen Niveau. Durch Energiemonitoringsysteme erhöht sich die Transparenz weiter und zusätzliche Potenziale werden aufgedeckt und gehoben. Im Bereich Wärmeeffizienz ist hingegen noch viel zu tun. Da fossil erzeugte Wärme derzeit noch vergleichsweise kostengünstig zu beziehen ist, ist der Einsparanreiz hier bislang nicht gleichermaßen gegeben. Durch den ab dem 01.01.2021 geltenden CO2-Preis von anfangs 25 Euro pro Tonne, wird der Einsatz fossiler Brennstoffe jedoch schrittweise verteuert. Allein zwischen 2021 und 2025 soll der CO2-Preis von 25 auf 55 Euro pro Tonne steigen. Nach dieser Einführungsphase mit festgeschriebenen Preisen, soll der Preis pro Tonne ab 2026 innerhalb eines bestimmten Preiskorridors im Emissionshandel ermittelt werden. Verfahren zur Steigerung der Wärmeeffizienz werden dadurch zunehmend an Bedeutung gewinnen und der Anreiz klimafreundlich zu investieren wird sich erhöhen.

Fraglich ist noch wie die Lasten unter den beteiligten Akteuren (Mieter + Vermieter) aufgeteilt bzw. die Anreize möglichst wirksam und fair gesetzt werden können.

Welche Entwicklungen sind kommendes Jahr im Bereich E-Mobilität (auch Infrastruktur Ladesäulen) zu erwarten?

Chini: Der o. g. CO2-Preis hat auch massive Auswirkungen auf den Verkehrssektor. Konventionelle (fossile) Antriebstechnologien sind dadurch ebenfalls schrittweise teurer zu betreiben und werden somit zunehmend unattraktiver im Vergleich zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Diese sind jedoch unter aktuellen Bedingungen noch sehr teuer in der Anschaffung und je nach Ladestrompreis auch im Betrieb. Der Aufwand im Betrieb wird durch energierechtlich sehr komplexe Abrechnungsmodelle zusätzlich verstärkt.

Der Markthochlauf von E-Fahrzeugen bzw. der Aufbau einer Elektroladeinfrastruktur dient nur dann der Erreichung der Klimaziele, und kann auch nur dann wirtschaftlich realisiert werden, wenn die Energiewende gelingt bzw. der Ladestrom perspektivisch aus regenerativen Quellen kommt.

Für den Handel stellen sich vor allem die folgenden Fragen:

  • Was fordert der Gesetzgeber konkret beim Aufbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur und bis wann?
  • Sollen Ladesäulen direkt vom Handel betrieben werden oder soll nur die Parkfläche zur Verfügung gestellt werden?
  • Wo sollten aus Nutzersicht Ladesäulen installiert werden und wo ist welche Leistung erforderlich?
  • Wo stehen welche Netzanschlusskapazitäten zur Verfügung? Sind diese erweiterbar und wenn ja zu welchen Kosten?
  • Wie hoch ist die Zahlungsbereitschaft der Kunden für Ladestrom?
    Lässt sich die Ladeinfrastruktur unter diesen Bedingungen wirtschaftlich aufbauen und betreiben?
  • Wie lassen sich nutzerfreundliche Systeme entwickeln? (Schnelles, möglichst barrierefreies laden und bezahlen und möglichst einfache Abrechnung)
  • Welche Möglichkeiten gibt es, Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und Ladesäulen zu koppeln und solche Systeme wirtschaftlich zu betreiben?
  • Wie lässt sich dabei die hohe Komplexität des Energierechts bewältigen?
  • Wie kann ein unternehmensindividuelles Mobilitäts-Konzept so in ein Gesamtsystem eingebunden werden, dass dies sowohl aus Nutzersicht als auch im Sinne einer Erreichung der Klimaziele zielführend ist?

Das EHI wird diese Fragen im Rahmen der geplanten Initiative Mobilität im Handel weiter aufgreifen und gemeinsam mit Handel und Dienstleistern Konzepte für die Branche erarbeiten.


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