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22.03.2018

So ist’s recht

E-Commerce Zahlungssysteme #Digital Wallets #Instant Payments #PSD2

Interview mit Dr. Matthias Terlau, Rechtsanwalt/Partner Osborne Clarke /

Seit Anfang des Jahres ist die neue PSD2 Regelung aktiv und sieht vor, dass elektronische Kartenzahlungen über 30 Euro grundsätzlich mit einer Zwei-Faktor Authentifizierung abgesichert werden müssen.  Der Onlinehändler sollte seinen Onlineshop innerhalb der nächsten 18 Monate an diese neuen Regelungen anpassen. Mit welchen Konsequenzen muss der Onlinehändler rechnen, wenn er seinen Onlineshop nicht innerhalb dieses Zeitfensters nach PSD2 Bestimmungen ausrichtet?

Dr. Matthias Terlau, Rechtsanwalt/Partner Osborne Clarke (Foto: Osborne Clarke)

Dr. Matthias Terlau, Rechtsanwalt/Partner Osborne Clarke (Foto: Osborne Clarke)

Terlau: Die Grenze von 30 Euro gilt für elektronische Fernzahlungsvorgänge, also für Zahlungen, die über das Internet oder mittels eines Gerätes zur Fernkommunikation getätigt werden. Das betrifft also vor allem den E-Commerce und den M-Commerce. Für diese Bereiche gibt es noch zwei weitere wesentliche Ausnahmetatbestände: Wenn der Kunde selbst den Händler als vertrauenswürdigen Zahlungsempfänger einstuft, ist eine Zwei-Faktor Authentifizierung nicht notwendig. Dies ist auch der Fall, wenn die involvierten Zahlungsdienstleister aufgrund einer Analyse ihrer (ggf. nur geringfügigen) Betrugsraten bei solchen Transaktionen auf eine starke Kundenauthentifizierung verzichten.

Im Übrigen sollten Händler das Thema bei ihren Acquirern und technischen Zahlungsdienstleistern sehr frühzeitig adressieren. Wenn der Händler die starke Kundenauthentifizierung nicht ermöglicht, hat er ein erhöhtes Haftungsrisiko bei Betrugsfällen zu befürchten.

Wie sieht das ganze Szenario für Online Bezahldienste wie z. B. Digital Wallets aus – sind die neuen Regelungen auch dort verpflichtend?

Terlau: Bei Digital Wallets muss man im Einzelfall prüfen, ob man mit dem Wallet selbst eine Zahlung auslösen kann oder ob dies mit den darin gespeicherten Zahlungsmitteln (z. B. Kreditkarten) geschieht. Letztlich können aber auch hier alle oben genannten Ausnahmen eingreifen. Bei Einsatz eines Wallet am POS käme noch die neue 50 Euro-Ausnahme für kontaktloses Bezahlen in Betracht. Bei Beträgen ab 50 Euro muss somit eine zusätzliche Authentifizierung erfolgen, z. B. über die Eingabe des persönlichen PINs.

Auch das Thema Instant Payments ist in aller Munde. Die Sparkassen wollen Echtzeitüberweisungen beim Onlinebanking für Endkunden Mitte 2018 einführen.  Instant Payments werden bald auch im Handel eine Rolle spielen. Was sagen Sie zum Thema Instant Payments aus rechtlicher Sicht?

Terlau: Aus rechtlicher Sicht stellen sich bei Instant Payment zahlreiche Herausforderungen. Das gilt zum einen für das Verhältnis der beteiligten Banken untereinander. Für die Nutzung von Instant Payments durch Kunden kommt es vor allem darauf an, die Anforderungen der starken Kundenauthentifizierung zu lösen, insbesondere weil hier – je nach Lösung auch am POS – Fernzahlungsvorgänge stattfinden. Zudem ist es, auch abhängig von der gewählten Lösung, erforderlich, Zahlungsauslösedienstleister einzubinden. Hier sind die Regularien selbst nach dem Inkrafttreten der RTS (Regulatory Technical Standards) am 13. März 2018 (die dann also ab dem 13. September 2019 Anwendung finden) noch nicht hinlänglich klar.

 

Mehr zu den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen für den Zahlungsverkehr erläutert Dr. Matthias Terlau auf dem EHI Kartenkongress 2018 am 24./25. April in Bonn.


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