Ute Holtmann

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07.08.2015

Vom Versuch einer Branche, ein neues Zahlungszeitalter einzuläuten

Alle Themen Zahlungssysteme #Mobile Payment #Mobile Wallet #NFC

Mobile Payment

Mobile Payment; Quelle: Tashka2000 – Fotolia

„Bezahlen per Handy: Revolution an der ALDI-Kasse“ (bild.de), „Apple Pay: iPhone-Bezahldienst startet in Großbritannien“ (handelsblatt.de), „Samsung testet Bezahldienst „Pay“ in Südkorea“ (heise.de) – das Thema Mobile Payment ist derzeit ein medienwirksames. Und tatsächlich rüstet der Handel seine Kassensysteme sukzessive für das kontaktlose und mobile Bezahlen auf. Aktuell haben laut EHI-Studie „Kartengestützte Zahlungssysteme 2015“ 36,6 % der großen Händler bereits kontaktloses Bezahlen eingeführt oder zumindest pilotiert. Ein Fünftel plant darüber hinaus noch in diesem Jahr  die Einführung, während ein weiteres Viertel in den kommenden Jahren aufrüsten will. In Bezug auf die Technologie zeichnet sich dabei ab, dass sich in der Breite aufgrund ihrer Leistungsmöglichkeiten wohl die Nahfunktechnik NFC gegen QR-Code-basierte oder Bluetooth Low Energy (BLE)-Lösungen durchsetzen wird.

Der zurückhaltende Kunde

Während sich der Handel für die nächste Generation des Bezahlens bereit macht, stößt die neue Technologie beim Kunden allerdings noch auf Zurückhaltung. Lediglich 5 % der Deutschen haben laut einer im Juni veröffentlichten Studie von htw Saar und GS1 Germany schon einmal mit dem Smartphone bezahlt. Wer wie ich schon einmal versucht hat, sein Smartphone für das mobile Bezahlen via NFC zu rüsten, den wundert das wohl nicht. Zu viele Besonderheiten sind auf der Suche nach einem geeigneten Angebot derzeit noch zu beachten, zu viele Hürden zu überwinden.

Die Suche nach dem mobilen Zahlungsmittel

Die Girocard beispielsweise ist des Deutschen liebstes Kind. 36 % aller mit Karte gezahlten Einkäufe werden über das ehemals als EC-Karte bekannte Zahlungsmittel also per ec-cash oder -Lastschrift abgewickelt. Da läge es doch nahe, die Girocard auch auf dem Smartphone zu nutzen. Die Kreditwirtschaft bietet hier jedoch aktuell keine entsprechende Lösung an. Stattdessen hält sie bisher an girogo fest: der Geldkartenfunktion der Girocard, die kontaktlose Kleinbetragszahlungen von Beträgen bis 20 Euro mit der Karte ermöglicht und das Aufladen eines Guthabenkontos erfordert.  Dass hier umgedacht werden muss, um Kundenbedürfnissen und Marktbedingungen gerecht zu werden, scheint man aber inzwischen erkannt zu haben. Und so wird die Stadt Kassel laut LZ-Bericht (LZ 29-15) künftig zum Versuchslabor, in dem ab Herbst das Bezahlen mit einer kontaktlosen Variante der Girocard erprobt und künftig auch weitere neue Payment-Lösungen pilotiert werden sollen.

Im zweitwichtigsten Fach deutscher Portmonees steckt die Kreditkarte. Diese wird inzwischen häufig mit kontaktlos-Zahlungsfunktion ausgegeben. Die entsprechenden Technologien payWave (VISA) und PayPass (Mastercard) ermöglichen nicht nur das kontaktlose Zahlen mit der Kreditkarte am Kassenterminal, sondern sind ebenso die Grundlage, um sie als  Zahlungsmittel auf dem Mobiltelefon verfügbar zu machen. Wer aber eine entsprechende App der Kreditkartengesellschaften im App-Store vermutet, wird enttäuscht. Mit V.me (VISA) und MasterPass (MasterCard) bieten zwar beide Firmen ein Zahlungssystem für Online-Einkäufe an, um jedoch im stationären Handel mobil mit der Kreditkarte zu zahlen, sind Lösungen externer Anbieter notwendig.

Der steinige Weg zur Mobile Wallet

Entsprechende Alternativen sind beispielswiese Smartpass (Vodafone), My Wallet (Telekom) und mpass (Gemeinschaftsprojekt von Telefónica, Vodafone, Telekom) – die Mobile Wallets der Mobilfunknetzbetreiber. Der Mobile-Payment-Affine wird jedoch schnell feststellen, dass auf dem Weg zu einer alltagstauglichen mobilen Geldbörse noch Nachbesserungsbedarf besteht. Nutzungshürden sind beispielsweise Gebühren, die für die Zahlung via Wallet anfallen oder die Beschränkung der Apps auf bestimmte Betriebssysteme. Darüber hinaus sind mpass-Zahlungen grundsätzlich nur mithilfe eines NFC-Stickers möglich, der an das Mobiltelefon angebracht wird. Ähnlich verhält es sich bei SmartPass und My Wallet, wenn der Nutzer keines der kompatiblen (i.d.R. vom Anbieter gebrandeten) Smartphones mit NFC-Funktion sowie die zughörige NFC-SIM-Karte besitzt. Dies trifft beispielsweise auch alle iPhone-Besitzer, die mit ihrem iPhone 6 oder 6 Plus zwar ein NFC-fähiges Endgerät gekauft haben, dessen Technologie jedoch dem Apple-eigenen Zahlungssystem vorbehalten ist. Werden hingegen alle technischen Anforderungen erfüllt und hat der Nutzer gleichzeitig einen Mobilfunkvertrag beim Anbieter, können  die Zahlungen aus der jeweiligen Wallet heraus direkt über die NFC-Schnittstelle getätigt werden. Wer nun aber glaubt, er könne dort seine bestehenden Karten hinterlegen, liegt falsch. Alle drei Angebote basieren auf digitalen Bezahlkarten, die an ein Wallet-eigenes Guthabenkonto gekoppelt sind.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Mehr Anwenderfreundlichkeit versprechen diesbezüglich die Angebote der großen internationalen Technologiekonzerne: Apple Pay, Samsung Pay und Android Pay (Google). Alle drei ermöglichen das Hinterlegen nutzereigener digitaler Kreditkarten (z.T. auch weiterer Zahlungskarten) und fördern somit die Übersichtlichkeit der über unterschiedliche Technologien getätigten Ausgaben. Für den (deutschen) Konsumenten sind die Systeme jedoch noch Zukunftsmusik. Sowohl Google Pay als auch Samsung Pay werden zum angekündigten Marktstart im Herbst 2015 zunächst lediglich in den USA bzw. in den USA und Südkorea verfügbar sei. Google Pay hingegen hat den Sprung über den großen Teich im Juli dieses Jahres bereits vollzogen. Mit Großbritannien ist der Bezahldienst somit erstmals seit seiner Einführung im Oktober 2014 auch außerhalb der USA verfügbar. Wie schnell die Dienste auch in Deutschland Einzug erhalten, darüber kann derzeit nur spekuliert werden.

Im August 2015, Dorothee Frigge, EHI


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