Mehr Diebstahl im Handel

EHI-Studie zu Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel

Ute Holtmann

Ute Holtmann

Leiterin Public Relations

Tel: +49 221 57993-42

holtmann@ehi.org

Portrait Frank Horst

Frank Horst

Leiter Forschungsbereich Inventurdifferenzen + Sicherheit

Tel: +49 221 57993-53

horst@ehi.org

Inventurdifferenzen stellen für den Einzelhandel nach wie vor eine erhebliche wirtschaftliche Herausforderung dar. Der größte Teil davon entfällt auf den Ladendiebstahl – also die klauende Kundschaft – und der hat sich im Jahr 2025 weiter erhöht. Aber auch unehrliche Mitarbeitende oder Dienstleister tragen zu dieser Negativ-Bilanz bei.

Verluste steigen

Im Vergleich zu 2024 ergibt sich für das vergangene Jahr bei der Entwicklung der Inventurdifferenzen* ein Anstieg der Verluste von 4,95 auf 5,11 Mrd. Euro – eine Steigerung von 3,2 Prozent, während der Umsatz nur um 2 Prozent gestiegen ist. Der Anteil der durch Diebstahl von Kundschaft, Mitarbeitenden, Lieferanten und Servicepersonal verursachten Verluste beläuft sich auf insgesamt 4,33 Mrd. Euro (2024: 4,20 Mrd. Euro). Allein die Kundschaft wird für einen Warenverlust im Wert von 3,05 Mrd. Euro verantwortlich gemacht (2024: 2,95 Mrd. Euro) – ein Plus von 3,4 Prozent.

Den eigenen Angestellten werden Verluste in Höhe von 910 Mio. Euro angelastet, Lieferanten und Servicefirmen 370 Mio. Euro. Die restlichen 780 Mio. Euro resultieren aus organisatorischen Mängeln, also primär Erfassungs-, Buchungs- und Bewertungsfehler. Der aus dem gesamten Diebstahl resultierende volkswirtschaftliche Schaden durch entgangene Umsatzsteuer beträgt rund 590 Mio. Euro pro Jahr.

Branchenbetrachtung

Die durchschnittlichen Inventurdifferenzen im gesamten Lebensmitteleinzelhandel sind spürbar gestiegen. Im Bekleidungshandel haben sich die durchschnittlichen Inventurdifferenzen leicht verschlechtert. Während Drogeriemärkte überwiegend Anstiege ihrer Inventurdifferenzen feststellen mussten, ist der Trend in Baumärkten fast ausgeglichen. In den übrigen Branchen zeigen die teilnehmenden Unternehmen im Mittel hingegen eine leichte Verbesserung der Höhe der Inventurdifferenzen.

Aus dem durchschnittlichen Schaden aller angezeigten Diebstähle und dem per Inventur festgestellten Schaden im Handel ergibt sich, dass jährlich etwa 24,8 Mio. Ladendiebstähle im Wert von jeweils 123 Euro unentdeckt bleiben. Über 98 Prozent der Fälle werden nicht erkannt und daher auch nicht angezeigt. Hinzu kommt eine gewisse Anzeigemüdigkeit, die auf eine mangelhafte Strafverfolgung zurückzuführen ist.

Höhere Sicherheitsbudgets

Im Durchschnitt aller Branchen gibt der Handel aktuell etwa 0,33 Prozent seines Umsatzes für Sicherheitsmaßnahmen aus. Darin enthalten sind externe Kosten für Artikelsicherungsmaßnahmen, Kameraüberwachung, Detektiveinsätze, Testkäufe und Schulungsmaßnahmen sowie sonstige Sicherheitsmaßnahmen wie diebstahlhemmende Verkaufsträger oder Software-Analysetools zur Datenauswertung. Die Ausgaben für Präventionsmaßnahmen stiegen im Jahr 2025 auf 1,7 Mrd. Euro (2024: 1,6 Mrd. Euro), was vor allem auf inflationsbedingte Kostensteigerungen zurückzuführen ist.

Berücksichtigt man zusätzlich alle internen Aktivitäten, die durch das Diebstahlrisiko verursacht werden – wie das Anbringen und Deaktivieren/Entsichern von Warensicherungen, Bestandskontrollen, interne Schulungen, Datenanalysen, Kameraüberwachung sowie Diebstahlanzeigen –, so ergeben sich bei konservativer Schätzung weitere Kosten in Höhe von 1,6 Mrd. Euro. Die Gesamtkosten belaufen sich somit auf 3,3 Mrd. Euro pro Jahr.

Organisierte Kriminalität

Die größte Herausforderung besteht nach wie vor darin, dem organisierten und gewerbsmäßigen Diebstahl – meist Bandendiebstahl – entgegenzutreten. Mit rund 1 Mrd. Euro ist er für ein Drittel der Ladendiebstähle verantwortlich. Aber auch die Zunahme des „normalen” Kundendiebstahls ist besorgniserregend. Sie wird mit den steigenden Lebenshaltungskosten aufgrund der Inflation begründet.

„Viele Händler sind der Ansicht, dass die aktuelle politische Lage und die wirtschaftlichen Aussichten viele Verbraucher und Beschäftigte unter finanziellen Druck setzen und somit zu mehr Gelegenheitsdiebstählen führen“, erklärt Studienautor Frank Horst. „Aus Sicht des Handels begünstigt vor allem die unzureichende Rechtsprechung und Strafverfolgung die Zunahme dieser Straftaten.“

Definitionen:
*Inventurdifferenzen umfassen Diebstähle durch Kundschaft, Mitarbeitende, Lieferanten oder Servicepersonal und organisatorische Mängel

Datenbasis:
An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 103 Unternehmen bzw. Vertriebsschienen mit ins-gesamt 21.225 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von rund 116,3 Mrd. Euro erwirtschafteten. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 1.390 Quadratmeter.

Grafiken zum Download

Die komplette Studie steht zum Download bereit und ist für EHI-Mitglieder kostenlos.


Kontakt:
Frank Horst, Leiter Inventurdifferenzen + Sicherheit, Tel.: +49 (0)2 21/5 79 93-53, horst@ehi.org
Ute Holtmann, Leiterin Public Relations, Tel.: +49 (0)2 21/5 79 93-42, holtmann@ehi.org

Herausgeber:
EHI Retail Institute e. V., Spichernstraße 55, 50672 Köln, www.ehi.org, 0221-57993-0

Über das EHI:
Das EHI ist ein Forschungs-, Bildungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner mit rund 80 Mitarbeitenden und einem internationalen Netzwerk von 850 Mitgliedsunternehmen des Handels, der Konsum- und Investitionsgüterindustrie sowie der Dienstleisterbranche. Das EHI ist auch Gesellschafter der GS1 Germany sowie der Agraya und Partner der Messe Düsseldorf bei bedeutenden Handelsmessen wie der EuroShop. Präsident des EHI ist Markant-Chef Markus Tkotz und Geschäftsführer ist Ulrich Spaan.

 

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